Fachkraft - Abwassertechnik

  • Mindestschulabschluss: Hauptschulabschluss
  • Dauer: 36 Monate
  • Ausbildungsvergütung: 853 € bis 949 € 
  • Duale Ausbildung
Ausbildungsplätze Ausbildungsbetriebe

Berufsbild

“Du machst zwar täglich nicht viel, aber mit dem Bisschen befassen sich viele täglich!” pflegte ein Arbeitskollege vom Fach  in einem Forschungsinstitut zu sagen. Treffender kann man es kaum ausdrücken; ein Einzelner kann für die persönliche Entsorgung schnell hinter einen Busch gehen, aber Zehntausende, Hunderttausende, Millionen gar? Wenn du darüber nach denkst, wird klar, dass Abwassertechnik eine bedeutende zivilisatorische Errungenschaft ist und dies nicht erst heutzutage, denn auch Rom hatte schon vor 2000 Jahren  ein funktionierendes Abwassersystem und in der von Römern gebauten Stadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium(das heutige Köln) wurde das Abwasser fast schon hochmodern in unterirdischen Kanälen ungeklärt dem Rhein als Vorfluter zugeführt. Die Städte des Mittelalters erstickten dagegen im Gestank und Schlamm ihrer Fäkalien, bis in die zweite Hälfte des 19. Jhdt. hinein waren Cholera und Typhusepidemien keine Seltenheit. Erst seit der zweiten Hälfte des gerade vergangenen 20. Jhdt. sind in den Städten die letzten Sickergruben(Kloaken) verschwunden, aus denen von Zeit zu Zeit die Füllung in den Jauchewagen geschöpft wurde, um auf die Felder verbracht zu werden.

Heute ist zumindest in dichter besiedelten Regionen jedes Haus an das kommunale Abwassersystem angeschlossen und der ständige Abwasserstrom wird auch nicht mehr direkt in die Vorfluter (Bäche, Flüsse und Seen) eingeleitet, sondern wird gesammelt und kommunalen Klärwerken zugeführt. Dort werden die Abwässer mechanisch(Rechen, Sandfang, Absetzbecken), biologisch(Belebtschlamm, Faulturm), und chemisch(Vorfällung von Phosphat mit Kalk, Entkeimung des Klärschlamms mit Kalk) behandelt und erst nach sorgfältiger Prüfung in die Umwelt entlassen.

Daraus ergeben sich für Fachkräfte der Abwassertechnik vielfältige Aufgaben, denn Abwassertechnik ist eine Querschnittstechnologie, die viele Kenntnisse aus verschiedenen Sachgebieten in einer Person vereinigt. Die Inspektion von Leitungen mit kleinem Querschnitt erfolgt heute mit “Maulwürfen”, kleine fahrbare Roboter mit schwenkbaren Kameras, große Kanäle müssen in regelmäßigen Abständen auf ihren baulichen Zustand durch Begehung überprüft werden. Dabei werden oft große Abwasserströme kurzzeitig umgeleitet, die Untersuchungstrupps nicht zu gefährden.

In der Kläranlage erfolgt die routinemäßige Überwachung am Bildschirm, das ablaufende, geklärte Wasser ist zu beproben und nach standardisierten physikalischen und chemischen Verfahren zu prüfen. Das gleiche gilt für den ausgefaulten Klärschlamm, der einer landwirtschaftlichen Verwertung zugeführt werden kann, in industriellen Anlagen verbrannt werden muss(nach Trocknung) oder zu deponieren ist.

Große Industrieanlagen der chemischen Industrie betreiben ihre eigenen Klärwerke, in diesen Fällen sind vertiefte chemische Kenntnisse zu erwerben.

Gut es müffelt ein bisschen, aber das hält sich in Grenzen - es ist für die Gesellschaft ein wichtiger und verantwortungsvoller Beruf. Spezialisten studieren Siedlungswasserwirtschaft sogar an Hochschulen, also bitte nicht die Nase rümpfen - irgend jemand muss sich ja um das Bisschen professionell kümmern, was wir täglich hinterlassen. Ein sicherer Arbeitsplatz mit großer Vielfalt.

Voraussetzungen

Zwar gibt es rechtlich keine Anforderungen an einen bestimmten Schulabschluss, jedoch stellte der Öffentliche Dienst im Jahre 2013 überwiegend Bewerber mit einem mittleren Abschluss(Mittlere Reife, Realschulabschluss) ein; daneben aber auch Bewerber mit Hauptschulabschluss und mit Hochschulreife. Im letzteren Fall ist davon auszugehen, dass die Bewerber später ein Hochschulstudium anstreben.

Deine Interessen sollten wegen der Querschnittstechnologie breit angelegt sein und die Fächer Chemie, Physik, Biologie, Mathematik und Werken/Technik abdecken.

Die Ausbildung

Die Ausbildung dauert drei Jahre in kommunalen Betrieben der Abwassertechnik und in Industriebetrieben. An der Berufsschule erfolgt die theoretische Vertiefung. Die Ausbildung ist dual.

Ausbildungsvergütung

Während der Ausbildung verdient man im Öffentlichen Dienst schon gut im oberen Bereich: 

  • 1. Ausbildungsjahr   853 €
  • 2. Ausbildungsjahr   903 €
  • 3. Ausbildungsjahr   949 €

Berufseinstieg und Perspektiven

Fachkräfte für Abwassertechnik werden in kommunalen und Industriekläranlagen, sowie in Betrieben der Abwasser- und Klärschlammbehandlung beschäftigt. Für den beruflichen Aufstieg bietet sich die Ausbildung zum/zur Abwassermeister/-in an. Liegt die Hochschulzugangsberechtigung vor ist ein Studium zum Bachelor Umwelttechnik möglich. Auch der Weg in die Selbständigkeit als Rohrdiagnose- oder Rohrreinigungsbetrieb ist gangbar.

Die Gehälter für Fachkräfte Abwassertechnik erhalten im Öffentlichen Dienst eine Grundvergütung von 2479 bis 2733 €.

Und jetzt?