Gießereimechaniker/-in Fachrichtung Handformguss

  • Mindestschulabschluss: mittlere Reife, Hauptschulabschluss
  • Dauer: 42 Monate
  • Ausbildungsvergütung: 877 € bis 1.068 €
  • Duale Ausbildung
Ausbildungsplätze Ausbildungsbetriebe

Berufsbild

In unserer technisierten Welt sind wir von Maschinen umgeben, die uns schneller von Ort zu Ort bringen, und vom Heben schwerer Lasten befreien und große Stückzahlen mit hoher Geschwindigkeit herstellen und verpacken. Diese kleinen und großen Maschinen bestehen selbst wieder aus einer großen Anzahl von Einzelteilen. Denke dabei mal an eine Modelleisenbahn mit naturgetreuen Nachbildungen der großen Vorbilder, an eine Kamera mit ihren kleinen mechanischen Teilen oder an Gehäuse mit Lagern zur Aufnahme kleiner Elektromotoren.

Die fertigen Teile müssen exakt zueinander passen und das innere metallische Gefüge des Werkstücks soll so beschaffen sein, dass es die Belastungen im Gebrauch schadlos übersteht. Besonders bei neuen Entwicklungen, wenn Teile erstmals gegossen werden, bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen Konstrukteur und Gießereimechaniker/-in der Fachrichtung Handformguss. Die Arbeitsform muss ja schließlich ohne Verletzung der Gussform wieder entnommen werden können. In der Serienfertigung verwenden sie wiederverwendbare Formen (positive Modelle des Werkstücks) und packen eine formstabile Formsandmasse herum. Die Formstabilität wird durch sehr feine Tonmineralteilchen erreicht, die als Kleber den feinen Sand der Formsandmasse zusammenhält und gleichzeitig alle Feinheiten abbildet. Diese spätere Gussform wird sorgfältig rüttelnd verdichtet, so dass die Arbeitsform hauteng umschlossen wird.  Unter- und Oberform werden getrennt hergestellt und verdichtet. Nachdem die Arbeitsform entnommen wurde, wird die Oberform wieder aufgesetzt. In die verbleibende Hohlraum wird später die Metallschmelze unter Verdrängung der Luft eingegossen. Das Bindemittel der Formsandmasse ist so beschaffen, dass diese äußere Packung nach dem Gießprozess günstigstenfalls zerfällt und das gegossene Werkstück zur Endbearbeitung herausgenommen werden kann.

Zur Fertigstellung der Gießform gehören noch die Installation des Zufuhrkanals für die Metallschmelze und Luftlöcher für die zu verdrängende Luft. Für Öffnungen im Werkstück fertigt der/die Gießereimechaniker/-in noch Kerne aus Formsand an und platziert sie in der Form. Diese Arbeiten erfordern viel Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und Genauigkeit, denn das Werkstück nach dem Guss bildet exakt die vorgegebene Form ab.

Während bei dem bis hier geschilderten Verfahren die Arbeitsform wieder verwendet werden kann, gibt es ebenso Verfahren mit verlorener Gussform. Diese kann aus Wachs oder aus leicht brennbarem Kunststoff bestehen. Trifft die flüssige Metallschmelze auf dieses Formmaterial, so schmilzt es aus oder verbrennt(Wachsausschmelzverfahren).

Das flüssige Metall wird in Schmelzöfen hergestellt. Der Guss erfolgt mit Metallen wie Eisen(Gusseisen), Stahl, Aluminium, Kupfer oder Legierungen wie Messing, Bronze oder hochlegierten Stählen. Bis zum Guss ist die Schmelze auf hoher Temperatur zu halten und zusätzlich noch mit HIlfsmitteln wie Antioxidantien, Fließmitteln oder Rührbewegungen zum Austreiben von Luftbläschen zu beaufschlagen. Andere Verfahren Lufteinschlüsse aus dem Guss zu entfernen sind das Vakuum- und Niederdruckgießverfahren.  Während des Gusses überwachen Gießereimechaniker/innen der Fachrichtung Druck- und Kokillenguss die automatischen Zuführungssysteme, die das flüssige Metall vom Schmelzofen zur Gießstation befördern oder füllen es in Gießbehälter um und bringen es mit Kranbahnen an die vorbereiteten Formen. Der Guss erfolgt vom/von der Gießereimechaniker/-in der Fachrichtung Handformguss in der Regel per Hand.

Bei Gießprozessen in Formen können von den Nahtstellen der Unter- und Oberform Grate zurückbleibe, so dass jedes Stück nach der Ausschalung visuell über prüft und gegebenenfalls nachgearbeitet werden muss. Da sowohl die Gießform als auch das Werkstück durch den Gießprozess Formänderungen erleidet, die natürlich zuvor berechnet wurden, wird dennoch nochmals die Maßgenauigkeit überprüft. In der Endbearbeitungsstufe sind auch die verbliebenen Stege an den Ein- und Ausflussöffnungen zu entfernen.

Voraussetzungen

Die Betriebe stellen überwiegend Bewerber mit mittlerem und Hauptschulabschluss ein. Deine Schwerpunktinteressen aus der Schulzeit sollten auf den Fächern Mathematik, Chemie, Physik und Werken/Technik gelegen haben.

Ausbildung

Die Ausbildung erstreckt sich über 3,5 Jahre und findet in Gießereibetrieben und Betrieben der Metallerzeugung und -umformung statt. Der die Ausbildung begleitende Unterricht erfolgt in der Berufsschule.

Der Berufsschulunterricht wird teilweise in länderübergreifenden Fachklassen durchgeführt, derzeit:

  • für die Länder Bayern, Hamburg, Niedersachsen und Saarland in Pegnitz (Bayern)
  • Staatliche Berufsschule Pegnitz
  • für die Länder Bremen und Schleswig-Holstein in Kiel (Schleswig-Holstein)
  • Regionales Berufsbildungszentrum Technik der Landeshauptstadt Kiel
  • für die Länder Berlin, Brandenburg und Thüringen in Gera (Thüringen)
  • Staatliche Berufsbildende Schule Technik Gera

Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung liegt  im oberen Drittel  aller dualen Ausbildungsberufe:

Beispiele (monatlich brutto):

  • 1. Ausbildungsjahr: € 877 bis € 896
  • 2. Ausbildungsjahr: € 928 bis € 945
  • 3. Ausbildungsjahr: € 983 bis € 1.013
  • 4. Ausbildungsjahr: € 1.032 bis € 1.068

Berufseinstieg und Perspektiven

Nach ihrer Ausbildung arbeiten Gießereimechaniker/innen der Fachrichtung Druck- und Kokillenguss vorrangig in Gießereien, aber auch in Betrieben der Hütten- und Stahlindustrie.

Für einen beruflichen Aufstieg bis in Führungspositionen sollte als nächster Schritt die Prüfung als Industriemeister/in der Fachrichtung Gießerei abgelegt werden.

Mit einer Hochschulzugangsberechtigung ist der Weg frei für einen Bachelorabschluss im Studienfach Metallurgie, Hüttenwesen...

Die tarifliche Bruttogrundvergütung (monatlich) liegt zwischen  € 2.706 und € 2.973

Und jetzt?