Handzuginstrumentenmacher/in

  • Mindestschulabschluss: Hauptschulabschluss
  • Dauer: 36 Monate
  • Ausbildungsvergütung: 400 bis 907 €
  • Duale Ausbildung
Ausbildungsplätze Ausbildungsbetriebe

Berufsbild

Der Name ist Programm möchte man meinen, denn der Ort Klingenthal im sächsichen Musikwinkel ist die Heimat der ältesten Akkordeonbaubetriebe der Welt. Von ehemals 50 eigenständigen Betrieben in der zweiten Hälfte des 19. Jhdt. sind heute noch drei übrig, aber die genießen immer noch Weltruf. Ein Akkordeon besteht aus etwa 2500 Einzelteilen und auch die müssen ja erst einmal hergestellt sein. Die einzelnen Töne können mit Knöpfen oder Tasten angespielt werden; nicht von ungefähr spricht man bei der Verwendung von Tasten ja auch vom Schifferklavier. Aber auch diese Bezeichnung ist nur eine von vielen, die je nach Region und Auslegung für diesen Instrumententyp gebräuchlich sind. Auch die Harmonika ist nicht eindeutig vom Akkordeon abgegrenzt.

Handzuginstrumente sind grob dreiteilig aufgebaut rechts der Diskant, links der Bass und in der Mitte der Balg. Liest sich einfach, ist es aber nicht. Zunächst einmal werden verschiedene Materialien verarbeitet, Holz für die Gehäuse, die die Lager für die Metallzungen aufnehmen; diese Metallzungen werden später durch den angesaugten oder ausgeblasenen Luftstrom in Schwingungen versetzt und erzeugen die Töne. Die Lager für die Metallzungen sind entweder ebenfalls aus Holz oder aus Kunststoff. Dazu kommen neben den Zungen noch Leder, Pappe für den Balg, Stoff und Spezialpapiere. Handzuginstrumente werden oft als Einzelstücke für Profis gefertigt und die Wahl der Baumaterialien hat ebenso Einfluss auf den Klang wie die Konstruktion des Instrumentes.

Bis auf die Metallzungen werden die Einzelteile des Akkordeons auch heute noch in den Manufakturen selbst gefertigt. Nicht alles wird in Handarbeit hergestellt , heute werden auch für die Holzbearbeitung schon CNC-Maschinen eingesetzt. Besonders für die feinen Luftkanäle, die Kanzellen, die Luft aus dem Balg an die Stimmlippen führen. Die einzelnen Baugruppen werden sehr präzise in die Gehäuse eingesetzt. Die zuvor gestimmten Stimmzungen werden mit einem dauerhaften Harz auf die Stimmplatten geklebt. Müssen aber nach dem Einbau nochmals nachjustiert werden. Dazu gehört ein gutes Gehör. Der Balg wird aus gefalteter und verleimter Pappe gefertigt,  die Knicke mit weichem Ziegenleder verstärkt und dann den Balg mit Spezialpapier oder textilem Gewebe überzogen. Die spitzen Ecken des Balgs werden einzeln mit einer metallenen Schutzkappe versehen. Am Schluss wird der Balg mit Diskant- und Basteil verklebt, auf Dichtheit geprüft und das Instrument nachgestimmt.

Die restlichen Arbeiten befassen sich dann mit der optischen Verschönerung oder einer individuellen Gestaltung der Oberfläche.

Die Fachleute in den Manufakturen, die noch selbst die Instrumente bauen, kennen sich natürlich auch mit der Reparatur in die Jahre gekommener Instrumente aus.

Voraussetzungen

Die Betriebe stellen Bewerber ab Hauptschulabschluss  ein. Deine Schwerpunktinteressen aus der Schulzeit sollten auf den Fächern Mathematik,  Physik, Chemie und Werken/Technik  gelegen haben.

Ausbildung

Die Ausbildung erstreckt sich über 3 Jahre und findet in der Regel in Handwerksbetrieben des Handzuginstrumentenbaus statt. Die Ausbildung ist dual, so dass ein Teil der Ausbildung in der Berufsschule erfolgt.

Der Berufsschulunterricht wird teilweise in länderübergreifenden Fachklassen durchgeführt, derzeit:

  • für die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen in Ludwigsburg (Baden-Württemberg): Oscar-Walcker-Schule Ludwigsburg Gewerbliche Schule

Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung liegt  im unteren  bis in das mittlere Drittel aller dualen Ausbildungsberufe:

Beispiele (monatlich brutto) Handwerks betrieb:     Beispiele(monatlich brutto) Industrie:

              1. Ausbildungsjahr: € 400                            1. Ausbildungsjahr: 420 - 830 €
              2. Ausbildungsjahr: € 480                            2. Ausbildungsjahr:  450 - 866 €
              3. Ausbildungsjahr: € 520                            3. Ausbildungsjahr:  481 - 907 € 

Berufseinstieg und Perspektiven

Handzuginstrumentenmacher/-innen werden in Herstellungs- und Reparaturbetrieben des Musikinstrumentenbaus beschäftigt.

Für den beruflichen Aufstieg  ist es ratsam, die Prüfung als Handzuginstrumentenmachermeister/-in abzulegen.

Mit einer Hochschulzugangsberechtigung kann man auch studieren und beispielsweise einen Bachelorabschluss im Studienfach Musikinstrumentenbau erwerben.

Auch der Schritt in die Selbstständigkeit ist möglich, z.B. mit einem eigenen Handzuginstrumentenmacherbetrieb.

Tarifliche Bruttogrundvergütung (in der Stunde) liegt orientierend zwischen 15,83 und 17,08 €.

Und jetzt?