Industriekeramiker/-in Verfahrenstechnik

  • Mindestschulabschluss: Hauptschulabschluss
  • Dauer: 36 Monate
  • Ausbildungsvergütung: 575 € bis 817 € 
  • Duale Ausbildung
Ausbildungsplätze Ausbildungsbetriebe

Berufsbild

Keramische Produkte gehören mit zu den ersten technischen Produkten der Menschheitsgeschichte. Der steinzeitliche Mensch legte Tonklumpen ins Feuer und bearbeitete die feuergehärteten Körper danach formgebend mit Messern aus Feuerstein. Aus Japan sind keramische Töpferwaren bereits aus dem frühen 13. Jahrtausend v. Chr.bekannt. Aus China sind Töpferwaren aus dem 8. Jht. v. Chr. nachgewiesen und im Vorderen Orient blühte die Keramikkultur um 7600 bis 6300 v. Chr. auf. Anlagen gab es damals auch schon, denn die Brennanlage entwickelte sich von der Feuergrube, in der Brennstoff und Brenngut zusammengemengt waren, über vertikale Etagenöfen hin zu horizontalen Öfen mit Schornsteinen, die Brennkammern zur Erzeugung der Flamme und Brenngutöfen für den Brand getrennt hatten.
2013 produzierten in der Bundesrepublik Deutschland ohne Glas noch 223 Betriebe der keramischen Industrie, die technische Keramik, Baukeramik, Dachziegel, Feuerfeststeine, Haushaltswaren und Ziergegenstände, Isolatoren und Sanitärkeramik herstellten.
Das Ausgangsprodukt für keramische Massen, von einigen Spezialitäten einmal abgesehen, sind Mischungen ausgesuchter Tone, die man oft über Wochen in großen Lagern reifen lässt; der Keramiker nennt diese Phase “mauken”. Durch diesen Homogenisierungs- und Lagerungseffekt wird die Masse vergleichmäßigt und zugleich geschmeidiger für die Verarbeitung. Spezialisten stellen heute bereits Mischungen verschiedener Tongesteine für jeden Anwendungszweck her, so stammen etwa dreißig Prozent der Rohstoffe für die berühmte italienische Fliesenherstellung aus dem Westerwald/NRW. Von der Rohmasse über die Fördereinrichtungen, den Formpressen oder Gussanlagen, den Trockenöfen bis zu den Brennöfen und der ordnungsgemäßen Verpackung der Produkte kennen Industriekeramiker/-innen Verfahrenstechnik den gesamten Herstellungsprozess und arbeiten ständig an dessen Verbesserung mit.

Da nicht alle Arbeitsgänge automatisierbar sind, übernehmen sie auch Aufgaben in den Bereichen, in denen noch Handarbeit und Übersicht über den gesamten Prozess gefragt sind. Dies gilt insbesondere dann, wenn grundsätzliche Änderungen am Prozess bei laufender Produktion geplant werden. Besonders in Betrieben deren Produktion nahe an der Grundlagenforschung erfolgt, sind Änderungen der Verfahrenstechnik ständiger Begleiter, wie zum Beispiel in der Luft- und Raumfahrt oder der Medizintechnik bei Implantaten. Die wissenschaftlichen Laborergebnisse und Entwurfsvorschläge der Ingenieure müssen mit dem Praxiswissen des Verfahrenstechnikers zu einem erfolgreichen Innovationsschritt gebündelt werden. Wer gern neue Herausforderungen sucht, der findet hier den richtigen Arbeitsplatz: Tüftler sind gefragt. 

Eine rasante Entwicklung hat in den letzten Jahren das “Rapid- Prototyping” genommen, bei dem komplexe Formen schichtweise vom Computer über einen Drucker dreidimensional aufgebaut werden. Die erzielbare Präzision hängt von der Anzahl der Druckpunkte (Pixel) pro Flächeneinheit ab und damit wiederum von den Eigenschaften des vom Drucker zugeführten Materials und seiner Erhärtungsgeschwindigkeit.

Die Herstellung  von Urformen aus Kunststoff kann mit Rapid-Prototyping wesentlich schneller und exakter erfolgen. Hier Überschneiden sich Aufgabenstellungen des/der Industriekeramikers/-in Verfahrenstechnik mit denen des Bereiches Modelltechnik. Deshalb erscheint es auch erforderlich die Ausbildung möglichst breit anzulegen und seine persönlichen Stärken zu erkennen, damit man im späteren Berufsleben flexibel einsetzbar ist.

Wenn du dich für die Fachrichtung Industriekeramiker/-in Verfahrenstechnik interessierst, solltest du dir auch die anderen Ausprägungen des Berufsbildes Industriekeramiker/-in anschauen.

Voraussetzungen

Die Betriebe stellen i.d.R. Bewerber ab Hauptschulabschluss  ein. Im Jahre 2013 hatten über 60% der Bewerber, die eine Ausbildung begonnen haben, einen mittleren Abschluss.  Deine persönlichen Stärken sollten günstigerweise auf den Fächern Mathematik, Physik/Chemie und Kunst/Werken/Technik liegen. 

Ausbildung

Die dreijährige Ausbildung findet in der Regel in Betrieben der Keramik- und Porzellanindustrie statt.  Im Rahmen der dualen Ausbildung erfolgt die theoretische Weiterbildung in der Berufsschule. 

Der Berufsschulunterricht wird teilweise in länderübergreifenden Fachklassen durchgeführt, derzeit:

  • für die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Saarland und Schleswig-Holstein in Selb (Bayern): Staatliches Berufliches Schulzentrum für Produktdesign und Prüftechnik Selb
  • für die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Hermsdorf (Thüringen): Staatliches Berufsschulzentrum Hermsdorf

Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung liegt für die Industrie im mittleren Drittel aller dualen Ausbildungsberufe:

Beispiele (monatlich brutto):

  • 1. Ausbildungsjahr: € 575 bis € 706
  • 2. Ausbildungsjahr: € 624 bis € 760
  • 3. Ausbildungsjahr: € 667 bis € 817

Berufseinstieg und Perspektiven

Industriekeramiker/-innen Verfahrenstechnik arbeiten nach der Ausbildung in der Keramikindustrie, z.B. in Porzellanfabriken, Ziegeleien, bei Herstellern von Sanitärkeramik, Rohren oder Fliesen oder bei Spezialisten, die Hochleistungskeramik für Maschinenbauteile oder die Elektronikindustrie herstellen. 

Für die berufliche Weiterentwicklung sollte die Prüfung als Industriemeister/-in der Fachrichtung Keramik abgelegt werden.

Die Hochschulzugangsberechtigung eröffnet den Weg zum Studium mit einem Bachelorabschluss im Studienfach Keramik-, Glastechnik.

Die tarifliche Bruttogrundvergütung (monatlich) ist bei 2.073 bis  2.189 € angesiedelt.

Und jetzt?