Klavier- und Cembalobauer/-in Fachrichtung Klavierbau

  • Mindestschulabschluss: Hauptschulabschluss
  • Dauer: 42 Monate
  • Ausbildungsvergütung: 400 € bis 956 €
  • Duale Ausbildung
Ausbildungsplätze Ausbildungsbetriebe

Berufsbild

Immer noch kann man sagen, dass das Herzstück hochwertiger Klaviere, seien es nun Pianos oder Flügel, wahrscheinlich irgendwo in Deutschland gefertigt wurde. Neben dem Bau von Klavieren hat sich eine hochspezialisierte Zulieferindustrie entwickelt. Im Bundesverband Deutscher Klavierbauer sind noch 15 Hersteller organisiert, es waren hunderte von Herstellern um die Wende vom 19. zum 20. Jhdt.. In Deutschland werden immer noch rund 10.000 Klaviere und 2.500 Flügel pro Jahr hergestellt. Davon werden in Deutschland etwa 4.300 Instrumente abgesetzt, der überwiegende Teil wird exportiert. Für hochwertige Pianos sind durchaus Preise wie für einen Kleinwagen zu zahlen, bei Flügeln dagegen sind Preise im Mittelklassewagen-Segment keine Seltenheit.
Klaviere zeichnen sich im Unterschied zum Zupfinstrument Cembalo durch eine spezielle Hammermechanik aus, die es gestattet laut und leise anzuschlagen. Diese Hammermechanik ist denn auch das Herzstück eines Klaviers, gleich ob die Saiten wie beim Flügel horizontal oder platzsparend wie beim kleineren Piano senkrecht stehen. 

"Deutschland ist – abgesehen von Bösendorfer in Wien und dem kleinen italienischen Hersteller Fazioli - das einzige Land der Welt, in dem es noch eine Klavierbaukultur gibt", unterstrich Christian Blüthner-Hässler, Vorsitzender des BVK vor einigen Jahren in einem Artikel der Nachrichtenagentur dpa.

Ein einziges Klavier besteht aus bis zu 10.000 Einzelteilen, die heute schon arbeitsteilig von spezialisierten Zulieferern bereitgestellt werden. Zwar können Klavier- und Cembalobauer/-innen die meisten Bauteile selbst herstellen, aber der Rationalisierungszwang hat dazu geführt, dass sich eine enge Verzahnung mit Spezialunternehmen für Einzelteile herausgebildet hat. Ein gut gehütetes Geheimnis scheint immer noch die Bespannung der Anschlaghämmer zu sein, weil dadurch die Klangfarbe eines Klaviers beeinflusst wird.

Im Klavierbau sind zahlreiche handwerkliche Berufe vereinigt, der/die Klavier- und Cembalobauer/-in lernt in der dreieinhalbjährigen Ausbildung die Mechanik der Tasten und Saiten, die Auswahl des Holzes und die Herstellung des Resonanzbodens, die Herstellung des Metallrahmens in dem die Saiten gespannt sind, des Gehäuses in dem alles untergebracht ist und die Herstellung und Funktion der Pedale und der Dämpfungsmechanik kennen. Viel hat der/die Instrumentenbauer/-in mit Holz zu tun, denn die Klaviatur, das Tastenfeld ist aus Holz, nur die Oberfläche der weißen Tasten werden heute mit Kunststoff belegt (früher Elfenbein); die schwarzen Tasten bestehen aus schwarz gefärbten Nussbaumhölzern. Der ebenfalls hözerne Rahmen, auf dem die Klaviatur aufliegt, wird aus Fichte und Kiefer hergestellt, damit er sich nicht verzieht.

Die 225 bis 230 Saiten eines Klaviers bestehen aus Stahldraht. Der Klang eines Instrumentes und die Stimmreinheit (Ton) hängt sehr von der Qualität dieser Stahldrähte ab. Die benötigten Durchmesser werden mit Säurebeizbädern und wechselnder Erwärmung über eine Querschnittverformung erzwungen und das Saitenmaterial schließlich durch einen Kalibrierdiamanten gezogen, bis der benötigte Durchmesser erreicht ist. Tiefe Basstöne entstehen, wenn die Klaviersaiten entsprechend dick werden. Dafür werden entsprechende Stahlsaiten zusätzlich einfach oder zweifach mit Kupfer besponnen.

Die Saiten werden durch das Anschlagen mit Hämmerchen zum Schwingen gebracht. Auch diese sind aus Holz gefertigt. Oben erhält der Hammerkopf einen Filz, der sorgsam mit vielen Nadelstichen vernäht wird. Die Vorbehandlung des Filzes und die Applikation auf den Hammerkopf sind oft gut gehütete Geheimnisse der Manufakturen..

Die Schwingungen der angeschlagenen Saiten werden durch den großen Resonanzboden unter der Saitenbespannung durch Abstrahlung der Schallwellen in den Raum übertragen. Für einen Resonanzboden wird eine große Strahlungsdämpfung und eine kleine Verlustdämpfung angestrebt. Die Auswahl geeigneter Holzarten ist für diese Eigenschaften wichtig.

Der Klavierrahmen in den die Saiten eingespannt sind, besteht seit dem 20. Jhdt. aus Gusseisen, weil Gusseisen in sich schwingungsgedämpft  ist und keine störenden Schwingungen (klirren) erzeugt. Die richtige Zusammensetzung des Gussmaterials wird vom Zulieferer gewährleistet.

In einem elegnaten Klaviergehäuse aus Holz sind Saiten, Rahmen und die gesamte Mechanik der Klaviatur verborgen. Mit einem Deckel kann die Klaviatur geschlossen werden; der Deckel enthält noch ein Notenpult. 

Mit den Pedalen kann der Interpret laut und leiser spielen, die Dämpfung aufheben und den Ton nach loslassen der Taste weiter schwingen lassen.

Schon während der Montage eines Klaviers werden die Saiten auf richtige Tonhöhe geprüft, aber erst, wenn es mechanisch komplett fertig gestellt ist, kann es gestimmt werden. Diese letzte Feinabstimmung verlangt ein absolutes Gehör für die Tonhöhen und wird nicht selten mit dem Kunden gemeinsam durchgeführt.

Klavier- und Cembalobauer/-innen der Fachrichtung Klavierbau können selbstverständlich auch in die Jahre gekommene Klaviere wieder ertüchtigen oder Umzugsschäden reparieren. In der Regel muss ein Klavier jährlich einmal gestimmt werden.

Voraussetzungen

Die Betriebe stellen i.d.R. Bewerber ab Hauptschulabschluss  ein. Allerdings besaßen im Jahrgang 2013 69% die Hochschulreife und nur 3 von 39 einen Hauptschulabschluss.Deine persönlichen Stärken sollten günstigerweise auf den Fächern Mathematik, Physik, Werken/Technik und Musik liegen. 

Ausbildung

Die dreieinhalbjährige Ausbildung findet in der Regel in handwerklichen oder industriellen Betrieben des Klavier- und Cembalobaus statt.  Im Rahmen der dualen Ausbildung erfolgt die theoretische Weiterbildung in der Berufsschule. 

Der Berufsschulunterricht wird teilweise in länderübergreifenden Fachklassen durchgeführt, derzeit:

  • für alle Länder in Ludwigsburg (Baden-Württemberg): Oscar-Walcker-Schule Ludwigsburg Gewerbliche Schule

Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung liegt im unteren bis mittlerem Drittel aller dualen Ausbildungsberufe:

Im Handwerk (monatlich brutto):              In der Industrie (monatlich brutto):

1. Ausbildungsjahr: 400 €                        1. Ausbildungsjahr: 420 bis  830 €
2. Ausbildungsjahr: 480 €                        2. Ausbildungsjahr: 450 bis  866 €
3. Ausbildungsjahr: 520 €                        3. Ausbildungsjahr: 481 bis  907 €
4. Ausbildungsjahr: 600 €                        4. Ausbildungsjahr: 510 bis  956 €

Berufseinstieg und Perspektiven

Klavier- und Cembalobauer/innen der Fachrichtung Klavierbau werden vor allem in Betrieben des Musikinstrumentenbaus beschäftigt.

Für die berufliche Weiterentwicklung empfiehlt sich, die Prüfung als Klavier- und Cembalobauermeister/-in abzulegen.

Mit der Hochschulreife kann man studieren und einen Bachelorabschluss im Studienfach Musikinstrumentenbau erwerben.

Mit einer eigenen Werkstatt des Klavier- und Cembalobauer-Handwerks kann man den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Die tarifliche Bruttogrundvergütung (in der Stunde) lag zuletzt zwischen 15,83 und 17,08 €.

Und jetzt?

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