Mechaniker/-in Reifen- und Vulkanisationstechnik - Vulkanisationstechnik

  • Mindestschulabschluss: Hauptschulabschluss
  • Dauer: 36 Monate
  • Ausbildungsvergütung: 435 € bis 522 €
  • Duale Ausbildung
Ausbildungsplätze Ausbildungsbetriebe

Berufsbild

Es soll ja immer noch Autofahrer geben, bei denen die Wagenpflege aus Tanken besteht. Dabei hängt die eigene und die Gesundheit anderer hauptsächlich vom Zustand der Reifen ab. Die Aufstandsfläche eines PKW-Reifens ist etwa handtellergroß und da die Räder nicht nur Rollen, sondern meistens auch springen, also kurzzeitig keinen direkten Kontakt zur Fahrbahn haben, kann sich die durchschnittliche Aufstandsfläche während der Fahrt durchaus auf die Fläche einer Postkarte reduzieren. Von der Haftung (Grip) dieser kleinen Fläche auf der Fahrbahn hängt dann dein Leben ab! Dabei sollte man wissen, dass die Überhöhung in Kurven auf Autobahnen in Abhängigkeit vom Kurvenradius so ausgelegt ist, dass man bis etwa 130 km/h noch den Anpressdruck wie bei der Geradeausfahrt hat. Schnelleres Fahren birgt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit steigend die Gefahr in sich, dass die Fliehkraft das Produkt aus Erdbeschleunigung (die Kraft, die das Fahrzeug auf die Fahrbahn drückt) und Reibungszahl übersteigt, das Fahrzeug verlässt die Fahrbahn seitlich.

Nicht von ungefähr sind Reifen, Schläuche und Felgen Hightech-Produkte, die maßgeblich für die Verkehrssicherheit von Fahrzeugen sind. Daher ist man gut beraten, den Mechaniker oder die Mechanikerin für Reifen- und Vulkanisationstechnik der Fachrichtung Reifen- und Fahrwerktechnik aufzusuchen, wenn es um Reifen geht. Moderne Technik ermöglicht es, gut erhaltene Reifen zu reparieren, so dass diese wieder einen sicheren Fahrbetrieb zulassen. Dazu gehört eine genaue Prüfung durch den Fachmann. Aus der Abnutzung des Reifens kann er Rückschlüsse auf einen dauerhaft falschen Reifendruck oder auf Defekte am Fahrwerk ziehen. In vielen Fällen hat er die Möglichkeit mit speziellen Verfahren eine Ausbesserung von Schäden vorzunehmen. Mechaniker/innen für Reifen- und Vulkanisationstechnik der Fachrichtung Vulkanisationstechnik können Altreifen mit intakter Karkasse runderneuern. Dabei wird zunächst die alte Lauffläche mit einer Raumaschine abgefräst; die Einstellungen für Umfang und Breite erfolgt am Bildschirm. Diese Arbeit ist mit Lärm und Feinstaubentwicklung verbunden; außer einer ordnungsgemäßer Absauganlage, gehört auch der persönliche Arbeitsschutz Schutzkleidung, -brille und Gehörschutz dazu. Die geraute Oberfläche wird nochmals auf Beschädigungen (Nägel, Metallteile) untersucht. In Handarbeit wird danach die aufgeraute Fläche oberhalb der Karkasse (im Reifen zur Versteifung eingearbeitetes Stahlgewebe ) mit einem Bindematerial aus Rohgummi belegt. Darauf bringen sie vorgefertigte Laufstreifen mit eingerägtem Profil und passender Breite auf, verbringen alles in einen Kessel und erhitzen bei hohem Druck; die alte Lauffläche verschmilzt mit dem Gummibinder und dem neuen Profil zu einem homogenen Reifenaufbau. Nach einer Endkontrolle werden die Flanken mit Farbe vergleichmäßigt und stehen dem Verkauf als runderneuerte Ware zur Verfügung.

Zu einer Reifenmontage, gleich ob nach einer Reparatur, weil sich Ungleichmäßigkeiten beim Ablauf eingestellt haben, beim Wechsel von Sommer- auf Winterreifen (oder umgekehrt) und beim Neukauf gehört immer das Auswuchten des Rades. Dafür stehen den Mechanikern/-innen optoelektronische Systeme zur Verfügung, die es gestatten ungleichmäßige Gewichtsverteilungen mit kleinen Blei Kontergewichten auszugleichen. Nicht oder schlecht ausgewuchtete Räder spürt man an einer Unruhe im Lenkrad(flattern) und das ist ein Warnsignal, dass andere Bauteile wie Radlager, Radaufhängung oder das Lenkgetriebe beschädigt werden können. Ganz abgesehen davon wird die Aufstandsfläche im Fahrbetrieb kleiner und das Risiko zu schleudern entsprechend größer.

Mechaniker und Mechanikerinnen für Reifen- und Vulkanisationstechnik der Fachrichtung Vulkanisationstechnik stellen aber auch  Transportbänder für Förderanlagen in Industriebetrieben her.  Da solche Förderbänder oft unter rauen Bedingungen gefahren werden, unterliegen sie einem erheblichen Verschleiß. Spezialisten reparieren Förderbänder vor Ort, damit der Betriebsablauf nicht allzu lange gestört bleibt. Sie ersetzen beschädigte Strecken, verheilen Risse und decken Verschleissstellen mit Deckplatten ab. 

In Vulkanisier- und Runderneuerungsbetrieben wird im Gegensatz zum Reifenservice auch im Schichtbetrieb gearbeitet.

Voraussetzungen

Obwohl wie bei den meisten Ausbildungsberufen keine rechtlichen Anforderungen an den Schulabschluss gegeben sind, wurden 2013 überwiegend Bewerber mit   Hauptschulabschluss   eingestellt. Auch Bewerber ohne Abschluss haben hier eine Chance erhalten. Deine persönlichen Stärken sollten günstigerweise auf den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Werken/Technik liegen. 

Ausbildung

Die dreijährige Ausbildung findet in der Regel in Vulkanisierwerken und Runderneuerungsbetrieben oder bei Förderbandherstellern statt.  Im Rahmen der dualen Ausbildung erfolgt die theoretische Weiterbildung in der Berufsschule. 

Der Berufsschulunterricht wird teilweise in länderübergreifenden Fachklassen durchgeführt, derzeit:

  • für die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland in München (Bayern): Städtische Berufsschule für Fahrzeug- und Luftfahrttechnik
  • für die Länder Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Fürstenwalde (Brandenburg): Oberstufenzentrum Palmnicken
  • für die Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein in Burgdorf (Niedersachsen): Berufsbildende Schulen Burgdorf

Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung liegt im unteren Drittel aller dualen Ausbildungsberufe:

Beispiele (monatlich brutto):

  • 1. Ausbildungsjahr: € 435
  • 2. Ausbildungsjahr: € 470
  • 3. Ausbildungsjahr: € 522

Berufseinstieg und Perspektiven

Mechaniker/innen für Reifen- und Vulkanisationstechnik der Fachrichtung Vulkanisationstechnik arbeiten in Vulkanisierwerken, Runderneuerungsbetrieben und Reifenservicestationen.

Für das berufliche Fortkommen empfiehlt sich, die Prüfung als Mechanikermeister/in für Reifen- und Vulkanisationstechnik abzulegen.

Mit einem eigenen Betrieb des Mechaniker-Handwerks für Reifen- und Vulkanisationstechnik oder einer Reifenservicestation ist der Schritt in die Selbstständigkeit möglich..

Die tarifliche Bruttogrundvergütung (in der Stunde) liegt bei 10,70 €. 

Und jetzt?

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