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Veröffentlichungsdatum: 19.02.2015

4 Tipps für erfolgreiches Ausbildungsmarketing

Das waren noch Zeiten: Vor einigen Jahren war es durchaus oft ausreichend, eine Anzeige zu schalten und dann auf die Bewerbungen der Schülern zu warten. So funktioniert Ausbildungsmarketing heute aber nicht mehr. Es kann durchaus passieren, dass Unternehmen auf eine Anzeige gar keine Bewerbungen erhalten. Laut aktueller DIHK-Ausbildungsumfrage, konnten 2014 32 Prozent der Ausbildungsbetriebe nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Oft kommen wir uns im wahrsten Sinne vor wie auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Modernes Ausbildungsmarketing verlangt heute schon etwas mehr. Mit einer Anzeige in der lokalen Zeitung allein ist es nicht getan.

Und auch die Generation Z (ab circa 1995 geboren) benötigt eine andere Ansprache. Sie wird sich nicht mehr mit der elterlichen Aufforderung „Mach mal eine Banklehre, dann hast Du was Solides“ zufrieden geben, sondern hat andere Ansprüche und Erwartungen an eine Berufsausbildung. Übrigens werden inzwischen 42 Prozent der Auszubildenden mehr als ein Ausbildungsvertrag angeboten – im Schnitt waren es 3 Verträge unter denen die Schüler wählen konnten. Das ändert einiges.

Im Beitrag erhalten Sie vier Tipps, die Ihr Ausbildungsmarketing noch erfolgreicher machen.

1. Gehen Sie auf die Schüler zu.

Beobachten Sie, wo sich Ihre Zielgruppe aufhält und gehen Sie genau dorthin. Das können Fahrschulen, das örtliche Kino, eine Sportveranstaltung, die Schule oder Plattformen im Internet sein. Sie müssen an die Orte, an denen sich auch Ihre Zielgruppe befindet – und das ist ganz unterschiedlich und individuell. 

Dazu sollten Sie Ihre Zielgruppe genau kennen. Sind diese im Sportclub, bei der freiwilligen Feuerwehr, im Pferdegestüt oder im Verein für Modellflugzeugbauer aktiv? Suchen Sie lokal oder deutschlandweit? Oder gehen Sie sogar über die Grenzen hinaus? Und wenn Sie Lehrer oder Eltern ansprechen wollen, finden Sie diese natürlich wieder an anderen Plätzen.

Auf die Schüler zugehen heißt, diese anzusprechen. Das bedeutet für Messen, dass Ihre Auszubildenden auch darauf vorbereitet werden müssen, wie diese auf interessierte Schüler zugehen und mit diesen ins Gespräch kommen können. Oder nutzen Sie im Internet Portale wie z.B. Azubiyo, blicksta oder Cleverheads. Hier können Sie direkt auf Schüler zugehen und diejenigen anschreiben, die ihren vorher angegebenen Anforderungen entsprechen. Werden Sie hier aktiv. Von alleine werden sich Schüler immer seltener bei Ihnen melden.

2. Bewerben Sie sich bei den Schülern.

Auf die Frage eines Schülers „Warum sollte ich mich bei Ihnen bewerben?“ oder sogar „Warum sollte ich Ihr Ausbildungsplatzangebot annehmen?“ müssen Sie eine gute Antwort parat haben. Was ist das Alleinstellungsmerkmal in Ihrer Ausbildung? Was bieten Sie, was andere nicht bieten? Und vor allem, was bringt es dem Schüler, bei Ihnen in die Berufswelt zu starten? Das können die Übernahmegarantie, Zusatzangebote zur Weiterbildung, das MVV Ticket und vieles mehr sein.

Die junge Generation ist im Moment stark auf Sinnsuche. Die Azubi-Recruiting Trends Studie der u-form Testsysteme GmbH & Co. KG fand 2015 heraus, dass fast 60 Prozent der Befragten nach Erfüllung im Beruf streben. Was also ist der Sinn, wenn sich jemand für den Beruf des/der KFZ-Mechatronikers/in oder des/der Kaufmanns/frau für Büromanagement entscheidet. Zeigen Sie den Nutzen des Ausbildungsberufs ebenso auf wie den Nutzen einer Ausbildung in Ihrem Unternehmen. Diese Vorteile können Sie dann in jeder Anzeige (online wie offline) nutzen – und natürlich auch im persönlichen Gespräch damit punkten.

3. Werden Sie persönlich.

Die Schüler möchten wissen, was und wer auf Sie zukommt. Das gibt die gewünschte Sicherheit. Auf Stellenanzeigen geben Sie daher bitte einen Ansprechpartner an und nutzen eine personalisierte E-Mail-Anschrift. Alles andere wird als unpersönlich empfunden. Wie wäre es mit einem Photo des Ausbilders, des Vorgesetzten oder mit Auszubildenden, die ihren Nachfolger suchen? Auf Ausbildungshomepages ist das bereits ein Muss. Dieser persönliche Touch überzeugt ebenso in Anzeigen.

4. Schaffen Sie Vertrauen.

Dieses Vertrauen schafft man natürlich nicht von heute auf morgen. Dafür ist eine längere Beziehungsarbeit notwendig. Das kann der regelmäßige Kontakt zu Schulen oder ein Blog der Auszubildenden im Internet sein. Wichtig ist es, ehrliche und realistische Einblicke zu schaffen – keine falschen oder unwahren Inhalte. Texte sollten klar erkennbar von Auszubildenden oder vom Ausbilder verfasst sein. Bitte veröffentlichen Sie keine Berichte, die angeblich von Auszubildenden erstellt wurden, aber aufgrund von mehrmaligen Korrektur- und Genehmigungsgängen nicht mehr authentisch als solche erkennbar sind. Setzen Sie auf Glaubwürdigkeit und lassen Sie Ihre Auszubildenden frei sprechen, ob auf Messen oder im Internet (z.B. Blog oder Video).

Versuchen Sie, wo immer möglich, einen Dialog zu ermöglichen: zu den Verfassern eines Blogbeitrages, zu Ihren Auszubildenden usw. Bleiben Sie ehrlich. Versprechen Sie nichts, was nicht gehalten wird. Das demotiviert dann zum Ausbildungsbeginn schnell. Es ist nur verständlich, dass nicht alles immer super und toll ist, da dürfen Auszubildende schon wahrheitsgemäß antworten. Wichtig ist dann eher, wie mit solchen Situationen im Unternehmen umgegangen wird und was daraus gelernt wurde. Nutzen Sie Bewerbungsportale wie z.B. Kununu und fordern Sie Bewerber und Ihre Auszubildenden auf, dort eine Bewertung des Vorstellungsgespräches bzw. der Ausbildung abzugeben. Dass Sie die eingehenden Bewerbungen schnell bearbeiten, die Schüler rasch zum Vorstellungsgespräch einladen und wertschätzend mit jedem umgehen, versteht sich von selbst. Im Zeitalter von E-Mail und SMS sollte eine gewisse Schnelligkeit in der Reaktion kein Problem mehr sein. 

Bleiben Sie bei allem authentisch, dann werde Sie vielleicht schon bald Ihre „Nadel im Heuhaufen“ gefunden haben. Überlegen Sie gleich jetzt, mit welchem der vier Tipps Sie starten und Ihr Ausbildungsmarketing verbessern können.

Sabine Bleumortier

Sabine Bleumortier ist Ausbildungsexpertin mit über 16jähriger Erfahrung in der betrieblichen Ausbildung. Sie arbeitet als selbständige Beraterin, Trainerin und Rednerin rund um die Berufsausbildung. Neben Seminaren zur Ausbilderqualifizierung für Ausbildungsbeauftragte wie Ausbilder und Trainings für Auszubildende hält sie Vorträge. Zuvor war sie als Ausbildungsleiterin eines international agierenden Industrieunternehmens tätig. Sie ist Dipl.-Ökonomin (Univ.), geprüfte Trainerin und Beraterin BaTB/BDVT und Professional Speaker GSA (SHB). Zudem ist sie Autorin zweier Bücher und zahlreicher Fachartikel. Ihr 2014 erschienener Ratgeber „Hilfe, ein Azubi kommt! – Was Azubibetreuer wissen müssen“ wurde zum Beststeller. Einen Newsletter für Ausbilder und weitere Informationen finden Sie unter www.bleumortier.de.