Interview Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Thorsten, Frankfurt am Main
Im Interview mit
Thorsten erfährst du mehr über die Ausbildung als Kaufmann/-frau im Einzelhandel.
- Wie weit bist du mit deiner Ausbildung, was hast du noch vor Dir?
- Momentan bin ich im 3. Lehrjahr angelangt, davor habe ich allerdings schon ein 1-jähriges Praktikum in meinem Ausbildungsbetrieb abgeleistet, das ich während meines FOS-Besuches auswählen musste. Weniger als ein Jahr liegt jetzt noch vor mir, im Mai 2009 sind auch schon die Abschlussprüfungen. Die drei Jahre gehen schneller um als man denkt!
- Wann stehst du morgens auf?
- Ds ist eigentlich völlig unterschiedlich. Je nachdem, welche Schicht ich habe, muss ich zu unterschiedlichen Uhrzeiten aus dem Bett. Wenn ich in die Frühschicht muss, die momentan in der Weihnachtszeit von 9 Uhr bis um 18 Uhr andauert, dann beginnt mein Tag früh um kurz nach 7 Uhr. In der Spätschicht wache ich meist um 10 Uhr auf, da muss ich dann um 12 Uhr auf die Verkaufsfläche. Außerdem sollte man auch immer den Anfahrtsweg miteinplanen.
- War es einfach eine Ausbildung zu finden?
- Keinesfalls. Ich habe sehr viele Bewerbungen abgeschickt, teilweise auch für völlig unterschiedliche Berufe: Kaufmann für Bürokummikation, Industriekaufmann und IT-Systemelektroniker. Das waren bestimmt weit mehr als 50 Bewerbungen, vielleicht an die 80. Gesucht habe ich über ein Jahr lang, das geplagt war von Rückschlägen und Fehlzeiten in der Schule. Durch Praktiken in verschiedenen Betrieben - u.a. Media Markt - habe ich gut ganze drei Wochen Schulzeit verpasst - letzendlich für nichts.
- Welchen Schulabschluss hast du? Wie würdest du deinen Abschluss (nach Noten) einstufen?
- Ich habe die mittlere Reife, also den Realschulabschluss an einer Gesamtschule in Frankfurt erhalten. Er war für die Dinge, die ich erreichen wollte, absolut in Ordnung. Die Abschlussprüfungen waren weniger erfreulich, allerdings konnte ich das durch mein gutes Abschlusszeugniss dann wettmachen; das wäre dann, ingesamt gesehen, eine 2 Minus.
- Hast du vor deiner Ausbildung ein Praktikum gemacht?
- Ja, wie eingangs erwähnt, ca. 1 Jahr lang während eines FOS-Besuches in der Form A, Wirtschaft und Verwaltung. Ich kannte zu diesem Zeitpunkt einige Freunde, die dort bereits eine Ausbildung angefangen hatten, und habe mich deswegen dort für ein Praktikum beworben - auch in Hinsicht auf eine mögliche Ausbildungsstelle.
- Wie bist du auf die Ausbildung gekommen, was war der Anlass für deine Berufswahl?
- Ich hatte eigentlich schon immer vorgehabt, mit Kunden in Kontakt zu treten, und da ich schon vorher in der 9. Klasse der Realschule ein Praktikum bei Toys R Us gemacht hatte, war die Berufswahl für mich ziemlich eindeutig. Allerdings habe ich nicht vor, im Einzelhandel weiter tätig zu bleiben - zumindest nicht als normale Verkaufskraft.
- In was für einem Betrieb arbeitest du?
- Mein Betrieb ist die Conrad Electronic SE mit Sitz in Hirschau, Bayern. Die Filiale, in der ich tätig bin, liegt auf der Zeil in Frankfurt, und das schon seit nunmehr mehr als drei Jahren. Insgesamt umfasst Conrad 25 Filialen deutschlandweit.
- Was magst du besonders an deiner Ausbildung?
- Den vielen Kontakt zu Menschen! In keinem anderen Beruf hat man soviel mit Kunden zu tun. Alle haben unterschiedliche Wünsche und ich kann ihnen bei ihren Problemen helfen - das ist ein tolles Gefühl! Außerdem ist es nicht nur eine "stinklangweilige" Arbeit, man hat immer etwas zu tun: Neben dem Kundenberaten ist auch das Pflegen der Regale oder das Bestellen von Ware angesagt. Mittlerweile werde ich kaum noch als Azubi angesehen und darf deshalb auch organisatorische Arbeiten erledigen.
- Was macht dir weniger Spass in der Ausbildung?
- Ein sehr großer Nachteil, der viele junge Menschen von einer Ausbildung im Einzelhandel abschreckt, sind ganz klar die beinahe schon unzumutbaren Ladenschlusszeiten. Als Azubi ist man noch nicht ganz so arg eingeschränkt, aber als vollwertiger Mitarbeiter muss man sein Privatleben aufgrund dessen sehr gut planen. Auch uns Azubis steht nur einen freier Tag in der Woche zu, den wir uns wahlweise vergeben lassen können. Im Grunde genommen sind die Schichten aber schon eine "harte Nuss".
- Welche 3 Talente / Fähigkeiten sollte ein Azubi für eine Ausbildung als Kaufmann/-frau im Einzelhandel mitbringen?
- Damit einem der Beruf als Einzelhandelskaufmann Spaß macht, ist in erster Linie die Freude am Kundenberaten bzw. den Spaß am Kommunizieren am wichtigsten. Außerdem sollte man flüssiges Deutsch sprechen und sich gut ausdrücken können - Kunden verstehen manchmal nicht sofort alles. Zeit, Belastbarkeit und vor allem viel Geduld sind an der Tagesordnung. Man darf nicht zu zimperlich sein, denn: Der Einzelhandel ist nunmal die unterste Schicht und ein ziemlich hartes Pflaster.
- Würdest du die Ausbildung nochmal machen?
- Ganz ehrlich - nein. Mir macht das Kundenberaten generell sehr viel Spaß und es ist sicherlich eine sehr abwechslungsreiche Arbeit, aber die negativen Aspekte überwiegen auch hier: Die Ladenschlusszeiten schränken das Privatleben zu sehr ein, man steht ständig unter Druck. Wer dem nicht gewachsen ist, geht schnell unter. Viele sehen den Beruf als Einzelhändler als selbstverständlich und als "dummes Rumstehen" an; die wenigstens haben aber eine wirkliche Ahnung von unserem Beruf.
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