Thema Handwerk

O´zapft wird – Bierbrauen will gelernt sein

Am Samstag geht´s wieder rund in München und es heißt: O´zapft is! Das 179. Münchner Oktoberfest öffnet seine Tore. Doch damit allen Gästen das Bier schmeckt, muss das Bierbrauen auch gelernt sein. Der Ausbildungsberuf Brauer und Mälzer bringt den Azubis das Bierbrauen bei. azubister hat sich mit wichtigen Personen der Brau-Branche über Ausbildungsmöglichkeiten unterhalten: Walter König, Geschäftsführer des Bayrischen Brauerbundes, Dr. Wolfgang Stempfl, Geschäftsführer der Doemens Academy, und Dr. Werner Gloßner, Hauptgeschäftsführer der Privaten Brauereien Bayern e.V., gaben uns Auskunft.

Brauer und Mälzer – Eine duale Ausbildung

Grafik zur Bierherstellung

Wie Bier entsteht…Das alles und viel mehr lernen Brauer und Mälzer-Azubis (©Deutscher Brauer-Bund)

Die Ausbildung zum Brauer und Mälzer wird als Duale Ausbildung angeboten und dauert in der Regel 3 Jahre. “Ausbildungsbetriebe sind Brauereien, wobei hier die Palette von der kleinen, mittelständischen bis hin zur Großbrauerei reicht”, meint Herr König. Als Mindestabschluss sollten Bewerber einen Hauptschulabschluss mitbringen. “Doch hat sich in letzter Zeit immer deutlicher gezeigt, dass ein mittlerer Schulabschluss, also ein Realschulabschluss, häufiger von den Ausbildungsbetrieben gefordert wird”, so König weiter. “Mitbringen sollten Azubis zudem Verständnis für Technik und die Bereitschaft sich in technologische Vorgänge der Lebensmittelherstellung einzuarbeiten”, ergänzt Dr. Gloßner. Das Berufsbild des Brauer und Mälzers wurde vor knapp drei Jahren komplett an moderne Anforderungen, wie z.B. der immer größeren Nachfrage nach alkoholfreien Getränken, sowie Kenntnisse in Elektronik und Mechatronik, erweitert. Berufs- und Karriereaussichten sind für ausgelernte Brauer hervorragend und “es winken sehr gute Verdienstaussichten“, sagt Herr König. Dr. Gloßner über die Anzahl der Azubis zum Brauer und Mälzer: “Derzeit haben wir in Bayern ca. 400 Azubis, deutschlandweit sind es ca. 600.” Die Branche bietet zudem gute Weiterbildungsmöglichkeiten.

Viele Weiterbildungsmöglichkeiten – Auch ein Duales Studium ist möglich

Die 1895 gegründete Doemens-Akademie in München, bildet Fachleute in den Bereichen Getränke, Lebensmittel und auch Bier weiter. “Neben der staatlich anerkannten Fachakademie für Brau- und Getränketechnologie werden mehrere Ausbildungen mit technischer Orientierung angeboten, die mit einem Meistertitel enden”, erzählt Dr. Stempfl von Doemens. Für den Besuch der Kurse benötigen die Schüler eine abgeschlossen Ausbildung als Voraussetzung. Bei den Vollzeitstudiengängen wird besonders viel Wert auf Praxisnähe gelegt, da “bereits der Gründer der Schule das Leitmotiv formulierte: praktische Erfahrung, die Beobachtung und Schärfung der Sinne sind die wichtigsten Grundlagen für die erfolgreiche Laufbahn des Brauers”. Bei Doemens wird auch seit 8 Jahren die Ausbildung zum Biersommelier angeboten. In diesem 2-wöchigen Kurs lernen die Kursteilnehmer alles rund um Geschmack und Bier. Die Weiterbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten sind also vielfältig.

“Ganz neu wird an der FH Weihenstephan-Triesdorf das Duale Studium Brau- und Getränketechnologie angeboten. Dieses Studium schließt nach dem 7. Semester mit einem Abschluss als Bachelor of Engineering ab”, erzählt uns Walter König. Im ersten Jahr erfolgt die Ausbildung fast ausschließlich in einer Lehrbrauerei. Erst im 2. und 3. Ausbildungsjahr gehts dann an die Universität, wo der theoretische Unterricht abgehalten wird. “Aber auch dann wird die Praxis nicht vernachlässigt, gibt es immer wieder Einsätze in der Lehrbrauerei”, erzählt uns Herr König. Am Ende des Studiums steht eine praxisbezogene Abschlussarbeit, in welcher der Auszubildende ein eigenes Projekt planen und durchführen muss (z.B. die Optimierung eines Arbeitsprozesses innerhalb einer Brauerei).

Oktoberfest als Highlight-Termin

Ob die Herren aufs Oktoberfest gehen? “Natürlich besuche ich die Wiesn”, sagt Herr König. “Ich arbeite sehr gerne in der Branche”, erzählt Herr Dr. Gloßner, “dazu gehören auch die Feste, wie das Oktoberfest, welches sicherlich ein Highlight ist. Ich bin gerne dort und genieße die Stimmung.” Herr Dr. Stempfl meint: ” Einen offiziellen Oktoberfesttermin gibt es in der Schule nicht, aber viele unserer Schüler besuchen die Wiesn gern. Entscheidend ist, dass jeder Studierende am nächsten Tag wieder mit klarem Kopf bei der Sache ist.” Übrigens: Alkoholmißbrauch bei den Brauern und Mälzern ist nicht höher als in anderen Berufsgruppen, wenn sogar noch seltener. Denn nur “mit einem verantwortungsvollem und gesunden Umgang mit dem Produkt Bier, kann die gute Qualität gewährleistet bleiben”, so König. Dr. Gloßner hierzu: “Bier sollte man natürlich mögen, aber Bier mögen heißt nicht saufen. In der Brauerei gelten die ganz normalen Arbeitssicherheitsvorschriften, d.h. Alkoholtrinken am Arbeitsplatz ist fehl am Platz.”

Eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer ist ein spannender Ausbildungsberuf. Was haltet ihr von dieser Ausbildung?