Die erste eigene Wohnung als Azubi – so kommst du finanziell über die Runden

Die erste eigene Wohnung

Die erste eigene Wohnung ist für einen Azubi ein großer und wichtiger Schritt auf dem Weg zur Selbstständigkeit und Zukunftsplanung. Doch dieser Schritt birgt meistens finanzielle Herausforderungen.

Sobald du mit der Zusage für deinen gewünschten Ausbildungsplatz die erste Herausforderung erfolgreich gemeistert hast, kommen neue auf dich zu. Diese sind unter anderem finanzieller Natur. Hier fällt als größter Posten für monatliche Kosten die Wohnung hinein. Dieser Ratgeber unterstützt dich dabei, die Möglichkeiten für eine neue Wohnung auszuloten.

Der Klassiker: In der Wohngemeinschaft leben

Den Anfang unter den Wohnmöglichkeiten macht die Wohngemeinschaft. Hierbei trittst du entweder einer existierenden WG bei oder gründest eine eigene. Wäge intensiv ab, ob die Gründung einer eigenen Wohngemeinschaft nicht am vorteilhaftesten für dich ist. Denn ein Großteil der Personen tritt bereits existierenden Wohngemeinschaften bei, was mit einigen Nachteilen einhergeht: Zum einen sind die Zimmer bereits größtenteils oder komplett vergeben, sodass kaum bzw. keinerlei Auswahl besteht. Zum anderen kannst du dir die Mitbewohner nicht nach deinen Kriterien aussuchen.

Bei einer eigenen WG-Gründung entfallen diese Nachteile. Dafür benötigst du für dieses Szenario idealerweise finanzielle Rücklagen. Denn wenn andere Mitbewohner ausfallen oder du nicht die gewünschte Anzahl an Mitbewohnern erreichst, dann gerätst du in eine finanzielle Schräglage, weil du alles finanzieren musst.

Abseits der beiden Szenarien – in eine bestehende WG einmieten oder eine eigene WG gründen – gestaltet sich eine Wohngemeinschaft in vielerlei Hinsicht als vorteilhaft:

  • Gesellschaft durch Mitbewohner
  • Kosten teilen sich fair auf
  • Pflichten im Haushalt werden auf mehreren Schultern verteilt

Demgegenüber muss dir jedoch klar sein, dass es in dem Großteil der Wohngemeinschaften eng werden kann. Denn mehreren Personen in einer Wohnung auszuweichen, ist meistens nur schwer möglich. Solltest du also den Wunsch nach ausreichend Freiraum haben, dann empfiehlt sich die Auswahl einer kleinen WG. Macht es dir nichts aus, dass du des Öfteren von anderen umgeben bist, dann eignet sich eine große WG mit Aussicht auf besonders hohe Kostenersparnisse am meisten.

Privatkredit als Lösung für mehr Komfort?

Anbieter für Privatkredite bzw. in Kurzform P2P Kredite ermöglichen es Privatpersonen, an Geld für freie Verwendungszwecke zu gelangen. Zugegebenermaßen ist der Weg über einen Kredit mit höheren Verpflichtungen nach der Ausbildung verbunden, da er zurückgezahlt werden muss und dabei Zinsen an die Kapitalgeber anfallen.

Dennoch kann ein Kredit die richtige Wahl sein. Wichtig ist hierbei, im Vorfeld einen Marktüberblick zu erhalten und eine Übersicht über mögliche Partner zu gewinnen. Es hängt von dir als Person und von den Bedingungen deiner Ausbildung ab. So existieren beispielsweise Ausbildungen mit höchsten kognitiven bzw. körperlichen Anforderungen, sodass im Privatleben außerhalb der Ausbildung das Bedürfnis nach Komfort zur Entspannung da ist. In diesem Fall verschafft die Kreditsumme zusätzlich zum angesparten Geld, Ausbildungsgehalt, Kindergeld und weiteren monetären Quellen noch mehr finanzielle Möglichkeiten, die sich in den gewünschten Komfort investieren lassen.

Sollte die Aufnahme eines Kredits zur Debatte stehen, dann muss vorher jedoch kalkuliert werden, ob eine Rückzahlung des Kredits samt Zinsen nach der Ausbildung überhaupt möglich sein wird.

Die extravagante Lösung: Hauswächter werden

Schöne Häuser in der Dämmerung

Die wohl am meisten besondere und zugleich sehr günstige Möglichkeit, als Azubi zu wohnen, ist die Tätigkeit als Hauswächter.

Eine wahrlich besondere Lösung auf der Suche nach einer günstigen Wohnung sind Hauswächtertätigkeiten. Hier beziehst du eine leerstehende Immobilie und sorgst für deren Instandhaltung, was nach mehr Arbeit klingt, als es wirklich ist. Die Firma Camelot etablierte das niederländische Hauswächter-Prinzip seit 2010 zunehmend in Deutschland, was insbesondere für Studenten und Azubis eine dankbare und häufig gewählte Anlaufstelle ist.

Dabei ist der unermessliche Vorteil der Hauswächtertätigkeit, dass du kaum zahlen musst. Es wird dabei nicht mal von einer Miete, sondern von Service-Gebühren gesprochen, die du monatlich überweist. Der Preis liegt meistens bei knapp unter oder knapp über 200 Euro – aber warm! Mit Strom. Und mit Internet im Preis. Versteht sich…

Du kommst bei den genannten leerstehenden Immobilien sogar in spektakulären Bauten unter, wenn du Glück hast:

  • Bis vor einigen Jahren gab es in der Nähe Bremens ein Jahrhunderte altes Schloss, das von Hauswächtern bewohnt wurde
  • Aktuell gibt es leerstehende Polizeigebäude und Schulen, die sehr große Räumlichkeiten offerieren
  • Des Weiteren sind manchmal sogar Einfamilienhäuser frei

Die Lage der Gebäude reicht dabei von ganz abgelegen bis sehr zentral in einigen der Großstädte und Kleinstädte Deutschlands. Was die Räumlichkeiten angeht, so ist es üblich, dass die Hauswächter bis zu zwei Zimmer bekommen, die insgesamt um die 60 Quadratmeter groß sein können. Dies ist mehr, als sich ein Azubi zu einem humanen Preis üblicherweise sonst wo erhoffen darf.

Einziger Haken: Du darfst in der Regel nicht in den Gebäuden gemeldet sein, was bedeutet, dass du eine zweite Meldeadresse – z.B. bei deinen Eltern oder Freunden – beibehalten musst. Alles in allem und in Anbetracht der enormen Kosten, die du in den Umzug miteinberechnen musst, sind Hauswächtertätigkeiten finanziell maximal attraktiv.

Die finanziellen Hilfen ausnutzen

Es gibt mehrere Anlaufstellen, die unter Umständen Azubis finanzielle Unterstützung entgegenbringen:

  • Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)
  • Berufsausbildungsförderungsgesetz (Bafög)
  • Wohngeld
  • Kindergeld

Die Berufsausbildungsbeihilfe gibt es, wenn Auszubildende ein geringes Einkommen aufweisen und nicht mehr zuhause wohnen. In diesem Fall sind eine Finanzierung der Fahrtkosten und bis zu 635 Euro monatliche finanzielle Unterstützung möglich. Allerdings wird hier das Einkommen der Eltern bzw. das des Lebenspartners zur Entscheidung über die Bewilligung miteinbezogen.

Ähnlich verhält es sich beim Bafög: Hier muss der monatliche Zuschuss, den die Azubis erhalten, im Gegensatz zu Studenten jedoch nicht zurückgezahlt werden. Auch hier sind das eigene Einkommen, das der Eltern sowie das des Lebenspartners Kriterien, die über eine Bewilligung entscheiden.

Voraussetzung für das Erlangen des Wohngeldes ist eine Ablehnung der Berufsausbildungsbeihilfe, die eigene Volljährigkeit als Azubi sowie der Nachweis, die Kosten für die Wohnung selbst tragen zu müssen.

Zu guter Letzt das Kindergeld: Dies ist die bekannteste finanzielle Unterstützung, weil sie bereits seit der Geburt des Kindes monatlich an die Eltern fließt. Kinder, die ihr 25. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, haben das Anrecht, die Überweisung des Kindergeldes aufs eigene Konto anzufordern, sofern die Eltern keine finanzielle Unterstützung mehr erbringen.

Die Wohnungsentscheidung mit Sicherheit treffen

Die erste Wohnung ist ein Stück weit immer ein Risiko, weil sie für den Azubi neben dem Start der Ausbildung ein weiterer großer Schritt im Leben ist. Aus diesem Grund empfiehlt sich, in allererster Linie Sicherheit walten zu lassen.

Dies schließt genaue Kalkulationen, die Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse sowie die Perspektiven nach der Ausbildung im Falle von Kreditrückzahlungen als zentrale Entscheidungskriterien bei der Wohnungsfindung mit ein.