Kochprofi Mike Süsser über den Beruf Koch

Mike Süsser ist ausgezeichneter Spitzenkoch aus Österreich und vielen bekannt aus der RTL2 Sendung “Die Kochprofis”. azubister hat ihn rund um den Beruf und die Ausbildung zum Koch befragt.

Die Ausbildung zum Koch

azubister: Wie haben Sie sich als Schüler über Ausbildungen informiert?

Süsser: Durch Freunde und die Familie.

Mike Süsser

Kochprofi Mike Süsser liebt seinen Beruf

azubister: Warum haben Sie sich damals für eine Ausbildung zum Koch entschieden? Haben Sie schon immer gerne gekocht?

Süsser: Das war eher Zufall. Ich habe ursprünglich eine Ausbildung zum Matrosen angefangen. Weil ich technisch nicht wirklich begabt war, schob man mich schnell in die Kombüse ab. Da habe ich gemerkt, das könnte was für mich sein!

azubister: Gibt es ein besonderes Erlebnis aus der Zeit als Azubi, an welches Sie auch heute noch gerne erinnern?

Süsser: Oh je – da gibt es vieles …Bleibt aber geheim, es war nicht immer musterhaft!

azubister: Viele Jugendliche finden den Besuch der Berufsschule eher langweilig. Wie hat Ihnen damals die Berufsschule gefallen?

Süsser: Ich war da nicht so viel anders als die Jugend von heute – aber eigentlich hat es mich nie wirklich gestört zur Schule zu gehen. Wir hatten auch sehr coole Lehrer.

Köche sollen nach der Ausbildung reisen

azubister: Wie ging es bei Ihnen nach Ende der Ausbildung weiter? Was raten Sie Azubis, die vor Abschluss der Ausbildung stehen? Im Betrieb bleiben oder schauen, dass man viel rumkommt?

Süsser: Für mich ging es nach meiner Ausbildung direkt in die Schweiz zum Arbeiten, anschließend nach Amerika, Spanien, Portugal und so weiter. Ich habe das gemacht, was man als guter Koch machen sollte: Betriebe kennen lernen. In unserem Berufszweig ist übrigens ein häufiger Wechsel als junger Koch ein gutes Zeichen – zwei bis drei Saisons und weiter geht‘s! Aus Gastronomen-Sicht rate ich jedem nach der Ausbildung auf Reisen zu gehen, um möglichst viel Erfahrung zu sammeln. Ich denke, dass dies auch für andere Berufe gilt – da fängt das wirkliche Lernen ja erst an!

azubister: Als TV-Koch in der Sendung “Die Kochprofis” sind Sie auch in der Öffentlichkeit bekannt und gehen in Stresssituationen sicherlich souveräner um als andere. Was können Sie für Tipps geben für Stresssituationen? Grade in der Küche kann es ja mal etwas stressiger werden.

Mike Süsser

Mike im Einsatz

Süsser: Einfach ruhig bleiben, keinen Streit mit Küche und Service provozieren – es geht schließlich um „meinen“ Gast! Jeder muss da aber seinen eigenen Weg finden. Ich kann aber auch augenzwinkernd sagen, dass das Alter Gott sei Dank später auch etwas dazu beiträgt.

azubister: In der Küche ist der Umgangston auch mal etwas rauer: was sollten Azubis neben einem “dicken” Fell noch mitbringen, wenn diese eine Ausbildung als Koch beginnen möchten?

Süsser: Der Beruf des Kochs ist wirklich kein Zuckerschlecken! Als Erstes sollten die Jugendlichen mit ihren Eltern sprechen – man kann nämlich nicht wie bei einem Schichtdienst pünktlich rauskommen. Eltern helfen ihren Kindern nicht, in dem sie dem Ausbildungsbetrieb die massive Arbeit und eben auch mal eine höhere Stundenanzahl vorwerfen! Wenn der Gast noch ein Dessert möchte, bekommt er es – das gehört zu unserem Beruf! Zum Umgangston: Es hat sich sehr viel getan in den letzten dreißig Jahren. Als Führungskraft kann man mit Problemen unterschiedlich umgehen. Das gab es doch früher gar nicht. Da wurde streng nach Lehrplan gearbeitet. Mein Lehrer hat seine Ausbildung gemacht und schwupps war er im elterlichen Betrieb und musste/wollte diesen dann auch schnellstens übernehmen, er hatte keine Möglichkeiten z.B. Stress-Seminare o. ä. zu besuchen. Heute kann ich nachvollziehen, dass er mal die Nerven verloren hat. Meine Generation in der Küche ist da ganz anders! Unhöfliche, abwertende Kommunikation ist tabu! Aber sicherlich ist der Ton zur Service-Zeit mal etwas rauer. Aber das darf man nicht persönlich nehmen.

An die Arbeitszeiten muss man sich schon gewöhnen

azubister: Besonders die Hotel- und Gastronomiebranche leidet unter einer sehr hohen Abbruchquote. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

Süsser: Ich denke, dass der Beruf nach wie vor unterschätzt wird. Hinzu kommt, dass es für einen Jugendlichen von 15, 16 Jahren nicht wirklich leicht ist seinen gewohnten Freizeitaktivitäten wie z.B. Mannschaftssport, Fußball am Wochenende oder sich mit Freunden treffen nur eingeschränkt nachgehen zu können. Das sehe ich als einen der Hauptgründe.

azubister: Ein Argument was oft gegen eine Ausbildung in dieser Branche spricht, sind die Arbeitszeiten: wie sind Sie früher damit umgegangen? Gewöhnt man sich schnell daran?

Süsser: Jeder Koch hat damit zu kämpfen am Anfang. Bei mir hat die Leidenschaft zum Kochen gesiegt. Aber ich musste mich anfangs ganz schön zusammenreißen. Ich wollte aber unbedingt ein guter Koch werden!

azubister: Drei Worte, wenn Mike Süsser an seine Ausbildung zurückdenkt?

Süsser: Schwere Zeit, schöne Zeit – sagen wir es mal so: ich liebe die Jahreszeiten!