Mindestlohn – gilt er auch für Auszubildende?

Mindestlohn für Azubis

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Seit dem 1. Januar ist er Gesetz – der neue Mindestlohn in Höhe von 9,19 Euro die Stunde. 2020 soll er in Folge des Zweistufenmodells noch einmal um 16 Cent auf 9,35 Euro steigen. Jedes Unternehmen in Deutschland ist daher verpflichtet, seine Mitarbeiter mit diesem Betrag zu entlohnen. Aber wer profitiert eigentlich alles von dem neuen Lohnminimum? Zählen Auszubildende auch dazu?

Bekommen Auszubildende den Mindestlohn?

Nein, wer sich in einem Ausbildungsverhältnis befindet, für den gilt der Mindestlohn nicht. Denn ein Auszubildender ist kein Angestellter im herkömmlichen Sinne. Diejenigen, die durch die neue Lohnuntergrenze finanziell unterstützt werden sollen, sind vor allem Minijobber und Geringverdiener.

Es gibt neben Auszubildenden noch weitere Fälle, in denen der Mindestlohn nicht greift:

  • Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung
  • Ehrenamtlich tätige Mitarbeiter
  • Selbstständige und Freiberufler
  • Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten des neuen Beschäftigungsverhältnisses
  • Personen, die ein Pflichtpraktikum absolvieren
  • Personen, die ein freiwilliges Praktikum von maximal drei Monaten absolvieren
  • Personen, die an einer Maßnahme zur Arbeitsförderung teilnehmen

Abgesehen von diesen Ausnahmen sind die Arbeitgeber jedoch von Gesetzes wegen verpflichtet, ihre Angestellten ordnungsgemäß zu bezahlen. Firmen, die sich nicht daran halten, müssen mit teuren Sanktionen in Form von hohen Bußgeldern rechnen.

Große Verdienstunterschiede bei den Ausbildungsberufen

Das durchschnittliche Gehalt eines Auszubildenden in Deutschland beträgt 721 Euro im Monat. Auch wenn das zunächst nach verhältnismäßig viel Geld klingen mag, ist es jedoch wichtig, die enormen Differenzen zwischen den verschiedenen Branchen zu berücksichtigen. So liegt der Verdienst beispielsweise für angehende Stahl- und Betonbauern bei mehr als 1000 Euro, für Friseurlehrlinge hingegen nur knapp bei über 300 Euro.

Der Grund für die häufig sehr niedrigen Ausbildungsgehälter ist der, dass sie Jugendliche allmählich in das Berufsleben einführen sollen. Außerdem wird davon ausgegangen, dass die jungen Leute noch auf andere finanzielle Leistungen wie Kindergeld oder Berufsausbildungsbeihilfe zurückgreifen können. Doch diese Optionen kommen längst nicht für jeden in Frage.

Gibt es bald auch für Auszubildende einen Mindestlohn?

Die Zahl der unbesetzten Lehrstellen ist derzeit so hoch wie noch nie. Dies begründet sich zum einen darin, dass immer mehr Schulabgänger ein Studium bevorzugen und zum anderen, dass Arbeitgeber zunehmend Abiturienten und Realschüler unter ihren Bewerbern bevorzugen. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die niedrige Entlohnung in zahlreichen Ausbildungsberufen.

Das hat mittlerweile auch die Bundesregierung erkannt und zieht erstmals einen Mindestlohn für Auszubildende in Erwägung. Die Gewerkschaften begrüßen diese Überlegungen und empfehlen ein Ausbildungsgehalt von 80 Prozent der durchschnittlichen Tarifvergütung aller Berufe. Demnach würden sich folgende Mindestlöhne für Auszubildende ergeben:

1. Lehrjahr: 635 Euro
2. Lehrjahr: 696 Euro
3. Lehrjahr: 768 Euro
4. Lehrjahr: 796 Euro

Mit der Einführung einer Lohnuntergrenze müssten sich dann auch Ausbildungsbetriebe nach den gesetzlichen Vorgaben richten und diese umsetzen. Damit kommt auf die Unternehmen ein erhöhter Aufwand in der Buchhaltung zu, wie beispielsweise bei der Erstellung und Änderung der bisherigen Entgeltabrechnungen. Da die Digitalisierung allerdings stark voranschreitet, arbeiten viele Firmen bereits jetzt mit moderner Software zur Lohnabrechnung oder zur Unternehmenssteuerung.

Angesichts der Tatsache, dass von der oben genannten Lohnerhöhung knapp 10 Prozent der Jugendlichen in Ausbildung profitieren würden, handelt es sich zudem um eine vertretbare Zumutung für deren Arbeitgeber. Immerhin erhalten diese einen vielversprechenden Lösungsansatz, um dem Nachwuchsmangel und den offenen Lehrstellen effektiv entgegenzuwirken.