Mobilitätsberatung – Lernen und Arbeiten im Ausland

Im Studium ein Auslandssemester zu absolvieren gehört heutzutage schon fast zum guten Ton dazu. Einen Auslandsaufenthalt in der Ausbildung hingegen ist immer noch eher selten. Dass sich das ändert, das ist die Aufgabe der Mobilitätsberater der Handwerkskammern. Wir haben Nina Jansen von der Mobilitäsberatung Düsseldorf getroffen und mit ihr über den Austausch von Azubis in Europa gesprochen.

azubister: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor und erzählen kurz was die Mobilitätsberatung der Handwerkskammer ist.

Nina Jansen: Mobilitätsberater gibt es seit Anfang 2009 an etwa 35 Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern in ganz Deutschland. An der Handwerkskammer Düsseldorf sind wir mittlerweile zu Zweit. Meine Kollegin Rebecca Hof und ich waren während des Studiums selber mehrfach im Ausland. Nun möchten wir, dass es auch für Auszubildende immer selbstverständlicher wird, einen Teil der Ausbildung im Ausland zu verbringen. Wir beraten u.a. zum Thema „Praktikum im Ausland“ und unterstützen bei der Organisation eines Lernaufenthalts im Ausland. Dazu gehört z.B. die Unterstützung bei der Suche nach einem Praktikumsbetrieb und Hilfe bei der Beantragung von Stipendien.

azubister: Sie arbeiten für die Handwerkskammer Düsseldorf. Für wen bieten Sie Auslandsaufenthalte an und welche Länder gibt es da?

Nina Jansen: Wir sind für alle Auszubildenden und Arbeitnehmer aus dem Handwerk zuständig deren Betrieb in unserem Kammerbezirk (Regierungsbezirk Düsseldorf) liegt. Im Zweifel einfach den Chef nach der Kammerzugehörigkeit fragen, uns anrufen oder auf www.mobilitaetscoach.de nach dem richtigen Ansprechpartner schauen! Theoretisch kann jeder Azubi ein Praktikum im Ausland machen, solange der Chef und die Berufsschule einverstanden sind. Es stehen einem eigentlich alle Länder offen. Allerdings rate ich immer dazu, ein Land aus der Europäischen Union zu wählen, da es dort gute Fördermöglichkeiten gibt. Für einige Berufe (Tischler, Bäcker, Konditoren, Fleischer, Friseure) bieten wir auch organisierte Gruppenaustausche nach Frankreich an.

azubister: Wenn sich ein Azubi für eine Ausbildung mit Auslandsaufenthalt interessiert und dies machen möchte. Wie sollte er vorgehen?

Nina Jansen: Im Vorfeld sollte man sich selber ein paar Gedanken machen, z.B. darüber, welche Länder infrage kommen oder wann ein Auslandsaufenthalt zeitlich passen würde. Dann meldet sich der Azubi am besten für eine Erstberatung bei uns. So können wir erste Fragen klären und das weitere Vorgehen besprechen. Es lohnt sich auch, mal in der Berufsschule nach eventuell bestehenden Austauschen zu fragen.

azubisterWelche Kosten kommen auf die Teilnehmer zu, wenn diese eine Ausbildung mit Auslandsaufenthalt machen wollen?

Nina Jansen: Normalerweise bekommt ein Azubi während eines Praktikums im Ausland weiterhin seine Ausbildungsvergütung. Zusätzlich kann man Fördermittel beantragen. Diese sind je nach Zielland unterschiedlich hoch (ca. 600€ – 900€ für drei Wochen) und decken erfahrungsgemäß etwa 80% der Kosten.

azubister: Was ist wenn man während des Auslandaufenthalt die Berufsschule verpasst?

Nina Jansen: Den verpassten Berufsschulstoff muss der Azubi nachholen. Das funktioniert in Absprache mit den Lehrern und mit Hilfe der Mitschüler meistens gut. Wer dies umgehen will, kann seinen Auslandsaufenthalt aber auch in die Schulferien legen.

azubister: Wie läuft ein typischer Aufenthalt im Ausland ab?

Mobilitätsberaterin Nina Jansen

Mobilitätsberaterin Nina Jansen (Quelle: Wilfried Meyer)

Nina Jansen: In den meisten Fällen dauert ein Aufenthalt drei Wochen. Wie genau alles abläuft, kann ich pauschal gar nicht sagen. Es kommt z.B. darauf an, ob man alleine oder mit einer Gruppe anderer Teilnehmer ins Ausland fährt. Ob man einen Sprachkurs besuchen möchte oder nicht. Ob man in einer Gastfamilie oder einer anderen Unterkunft wohnt. Auf jeden Fall wird so gut wie immer ein Praktikum in einem Betrieb gemacht.

azubister: Für einen Aufenthalt beispielsweise in Frankreich, müssen ja auch gewisse Sprachkenntnisse vorhanden sein. Wie ist die Verständigung? Muss man Französisch sehr gut beherrschen oder reichen hier Grundkenntnisse?

Nina Jansen: Sprachkenntnisse sind im Handwerk nicht zwingend notwendig. Die Praktikanten schaffen es auch, sich mit etwas Englisch oder einfach „mit Händen und Füßen“ zu verständigen. Anders sieht es natürlich bei Berufen wie etwa Bürokaufleuten aus, da müssen schon gute Sprachkenntnisse vorhanden sein. Für unsere Gruppenaustausche nach Frankreich bieten wir vor der Ausreise immer einen Sprachkurs an.

azubister: Was für Feedback erhalten Sie von den Azubis? Und was sagen die Ausbildungsbetriebe zu den Austauschprogrammen?

Nina Jansen: Die Reaktionen sind fast ausschließlich positiv! Die Auszubildenden sind froh darüber, eine solche Erfahrung gemacht zu haben. Sie erlernen im Ausland neue Techniken und bekommen neue Ideen für ihren Beruf. Ganz nebenbei werden sie auch selbständiger und selbstbewusster. Einige Betriebe sind vorher etwas skeptisch, ihre Auszubildenden mehrere Wochen ins Ausland zu schicken. Aber die allermeisten sind spätestens nach der Rückkehr ihres Schützlings von den Vorteilen überzeugt. Denn sie bekommen besser qualifizierte Lehrlinge zurück!

azubister: Gibt es noch andere Möglichkeiten, beispielsweise nach der Berufsausbildung, Praktika im Ausland zu machen?

Nina Jansen: Ja, man kann auch nach der Ausbildung noch ein Praktikum im Ausland machen. Das bietet sich vor allem an, wenn man nicht vom Ausbildungsbetrieb übernommen wurde und Wartezeit sinnvoll überbrücken möchte. Viele gehen dann auch für mehrere Monate ins Ausland, um noch mehr von einem solchen Aufenthalt zu profitieren.

Weitere Informationen zum Arbeiten im Ausland gibt es direkt unter mobilitätscoach.de. oder bei der Auslandsberatung der Handwerkskammer Düsseldorf.