Elektroniker/-in - Automatisierungstechnik

  • Duale Ausbildung
  • Mindestschulabschluss: mittlere Reife
  • Dauer: 42 Monate
  • Ausbildungsvergütung: 878 € - 1071 € 
Ausbildungsplätze Ausbildungsbetriebe

Berufsbild

Elektronen sind die kleinen negativ geladenen Ladungsträger die die positive Kernladung eines Atoms ausgleichen. In Metallen sind die Elektronen frei beweglich und können durch Anlegen einer Spannung bewegt werden, es fließt ein Strom; die Metalle haben auch bei niedrigen Temperaturen eine hohe Leitfähigkeit.  In Halbleitern dagegen ist die Leitfähigkeit beispielsweise von einer zusätzlichen Aktivierungsenergie abhängig, damit sie leitend werden: diese zusätzliche Energie kann als Temperatur eingetragen werden, dann spricht man auch von Heißleitern. Ein klassischer Halbleiter ist das Element Silizium, das bei niedrigen Temperaturen ein Isolator ist und mit zunehmender Temperatur leitend wird. Halbleiter, die aus reinen Elementen bestehen bezeichnet man als Elementhalbleiter. Eine andere Gruppe sind die Verbindungshalbleiter, in denen Elemente mit unterschiedlichen Bindungselektronen kombiniert werden. Eine weitere Gruppe sind die organischen Halbleiter, bei denen Ladungsverschiebungen durch unterschiedlich große Baugruppen gegeneinander erzeugt werden können. Die Eigenschaften von Halbleitern können durch Störstellen gezielt verändert werden; dies kann man bei Element- und Verbindungshalbleitern duch das Einbringen von Fremdionen in sehr geringen Mengen bei der Herstellung von Einkristallen erreichen. Physikalisch ausgedrückt verringert man dadurch den Energieaufwand, der erforderlich ist, um einen Monokristall oder Polykristall vom Zustand eines Isolators in den eines Leiters zu überführen.

Der/die klassische Elektriker/-in arbeitet mit metallischen Leitern; das Kunstwort Elektronik zusammengesetzt aus Elektron und Technik, befasst sich mit der Steuerung von Elektronen besonders durch den Einsatz von Halbleitern und der Steuerung von Anlagen und Geräten mit Elektronen. So wie die Übergänge von metallischen Leitern zu Halbleitern fließend sind, so verwischen allmählich auch die Unterschiede zwischen den beiden Berufsbildern Elektriker/-in und Elektroniker/-in. Die Differenzierung zwischen verschiedenen Berufsbildern für Elektroniker und Elektronikerinnen hängt ab von den unterschiedlichen Maschinen, die mit Elektronen gesteuert werden, die Grundlagen aber sind immer die gleichen.

Dies vorausgeschickt wenden wir uns nun dem anerkannten Ausbildungsberuf Elektroniker/-in Automatisierungstechnik zu. Elektroniker/-innen für Automatisierungstechnik sind entweder an der Entwicklung, der Herstellung, dem Einrichten oder dem Betreiben von komplexen, rechnergesteuerten Industrieanlagen beteiligt. Von einzelnen Komponenten bis zum Zusammenwirken der Module sorgen sie für die gewünschte Funktionsweise.

Automatisierte Systeme werden in der Warenannahme, der Produktion, der zugehörigen Prozesstechnik, der Qualitätskontrolle und der Datenverarbeitung eingesetzt. Den Durchbruch für die Automatisierungstechnik brachten die speicherprogrammierbaren Steuerungen(SPS), die die verbindungsorientierten Steuerungen ab den siebziger und achtziger Jahren verdrängten. Die Verknüpfung zwischen der SPS und den Maschinen und Anlagen erfolgt über Sensoren und Aktoren. Das funktioniert wie bei einem Menschen: die SPS ist das Gehirn, der Sensor Auge erfasst den Füllstand eines Wassergefäßes, der Aktor Hand dreht vor dem Überlaufen den Wasserhahn zu. So einfach ist das. Eine Lichtschranke, oder eine Waage erfasst beim Befüllen eines Behälters den Füllungsgrad, wenn ein bestimmtes Signal ausgelöst wird, dann erfolgt der Steuerbefehl Ventil schließen an einen Motor, den Aktor, der eine Klappe schließt oder eine Fördereinrichtung stoppt. Bei komplexen Fabrikationsanlagen sind daher viele Einzelschritte logisch zu verknüpfen und zu einem Gesamtsystem zusammen zu fassen, das sich im laufenden Betrieb selbst regelt. Die Überwachung am Schaltpult erfolgt durch den Menschen über Bild- und Akustiksignale, so dass bei Störungen sofort vom Leitstand eingegriffen werden kann oder entsprechende Störfalltrupps mit Einweisung durch den Leitstand dirigiert werden können.

Bei der Planung einer neuen Anlage muss zunächst ein Lastenheft(Auftraggeberseite) erstellt werden, was dem Planungsingenieur(Auftragnehmer) beispielsweise sagt, welche Funktionen mit welchen zugehörigen Grenzwertgebern  und Regelungselementen überhaupt gewünscht werden. Der Auftraggeber muss also eine klare Vorstellung davon haben und schriftlich dokumentieren, was er eigentlich haben möchte. In solchen Gesprächen fließt vernünftigerweise auch das Wissen und die Erfahrung des Auftragnehmers ein und das Lastenheft wird in der Endformulierung gemeinsam gestaltet. Danach erhält der Auftraggeber vom Auftragnehmer ein Pflichtenheft, das alle Funktionen und Komponenten beschreibt und enthält, die zur Lösung der gestellten Aufgabe erforderlich sind. Im besten Falle steht im Pflichtenheft alles, was später auch zu bezahlen ist. Dazu gehört dann auch die Inbetriebnahme des gelieferten elektronischen Steuersystems und die Einweisung der Mitarbeiter am Leitstand. Oft kann sich diese Zusammenarbeit beim Hochfahren neuartiger, automatisierter Systeme über Wochen und Monate hinziehen.

Elektroniker und Elektronikerinnen sind aber auch diejenigen, die zu den Betreibern solcher Anlagen gehören und in der Lage sind Störungen zu beseitigen oder grundsätzlich die Betriebsbereitschaft sicher zu stellen. Dafür setzen sie Diagnosesysteme ein oder simulieren Störfälle mit Testprogrammen.

Routinemäßige Wartungsarbeiten erfolgen anhand der vom Hersteller mitgelieferten Basisdokumentation, nachträgliche Änderungen werden mit Datum und fortlaufender Nummerierung auf dem aktuellsten Stand gehalten.

Was für einen Fabrikbetrieb gilt, findet auch Eingang in den Alltag der Haustechnik. Große Gebäude werden zentral bezüglich aller Funktionen überwacht, so erkennt der Hausmeister, wenn irgendwo ein Beleuchtungskörper nicht mehr funktioniert oder bei Schulgebäuden eine automatische Türverriegelung ausfällt. Im ersten Fall wird er den Beleuchtungskörper auswechseln, im zweiten Fall wendet er sich an den/die Elektroniker/-in einer Fachfirma.

Mit dem Beginn der Elektromobilität in Deutschland bieten sich Elektronikern und Elektronikerinnen für Automatisierungstechnik neue Tätigkeitsbereiche, denn mit dem Aufbau der Infrastruktur (Stromtankstellen) für die Energieversorgung stehen wir in Deutschland noch ganz am Anfang..

Voraussetzungen

Keine rechtlichen Anforderungen an einen Schulabschluss; es wurden in der Vergangenheit überwiegend Bewerber mit mittlerem Schulabschluss und Hochschulreife eingestellt. Bewerber sollten großes Interesse an Mathematik, Physik, Werken/technik und Informatik mitbringen.

Ausbildung

Die dreieinhalbjährige Ausbildung findet in Industriebetrieben des Anlagen- und Maschinenbaus und solchen Industriebetrieben,die automatisierte Anlagen- und Maschinentechnik einsetzen, statt. Die schulische Ausbildung wird in der Berufsschule durchgeführt.

Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung liegt im oberen Bereich

  • 1. Ausbildungsjahr  878 -  888 €
  • 2. Ausbildungsjahr  927 -  940 €
  • 3. Ausbildungsjahr  981 - 1012 €
  • 4. Ausbildungsjahr 1031 - 1071 €

Einstiegsgehälter und Perspektiven

Elektroniker/-innen arbeiten in Unternehmen, die Automatisierungslösungen entwickeeln, herstellen oder einsetzen. Das Gehalt liegt bei etwa 2800 bis 3300 €/m. Aufstiegsmöglichkeiten ergeben sich durch Weiterbildung zum/zur Industriemeister/-in der Fachrichtung Elektrotechnik. Mit einer Hochschulzugangsberechtigung bietet sich ein Studium zum Bachelor in Automatisierungstechnik an.

Und jetzt?