Studium oder Ausbildung – Wo ist das Gehalt größer? Was verspricht mehr Erfolg nach dem Abitur?

Das Abitur in der Tasche, doch dann fragen sich zahlreiche junge Menschen, wie es denn nun für sie weitergeht. Wer die Karriereleiter hochklettern möchte, kann zwischen unterschiedlichen Ausbildungsformen wählen. Die Gängigsten, nämlich das Vollzeitstudium, die Ausbildung, das duale Studium sowie das Trainee-Programm sollen im Folgenden näher beleuchtet werden.

Schüler nach dem Abitur

Abb.1: Glückliche Schülergruppe nach dem bestandenen Abitur

Ist der Verdienst nach einem Studium wirklich höher als nach einer Ausbildung?

Immer mehr Schüler, vor allem Frauen, entscheiden sich dafür, das Abitur zu machen und sich anschließend in einer Universität oder Fachhochschule einzuschreiben. Wie der nachstehenden Statistik zu entnehmen ist, schrieben sich zum Wintersemester 2004/2005 rund 300.000 Studenten in deutsche Hochschulen und Fachhochschulen ein, während es zum Wintersemester 2014/2015 schon stolze 432.000 Studenten waren.

Vergleich Studienanfänger 2009 zu 2014

Grafik 1: In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Studienanfänger deutlich gestiegen (Quelle: © Statistisches Bundesamt / In: Statista)

Nicht zuletzt steckt auch häufig der Wunsch nach einem guten Gehalt dahinter. Doch geht diese Rechnung überhaupt auf? Verdienen Akademiker wirklich mehr? Schließlich muss auch berücksichtigt werden, dass ein Auszubildender vom ersten Tag an einen Lohn bekommt, während ein Student für sein Studium aufkommen und in vielen Fällen dafür sogar einen Kredit aufnehmen muss.

Der Vergleich verschiedener Studienabschlüsse und späterer Gehälter

Vergleich der Löhne und Gehälter einzelner Abschlüsse

Abb.2: Die Löhne und Gehälter einzelner Studienabschlüsse sind abhängig von mehreren Faktoren.

Welches Gehalt ein bestimmter Studienabschluss später bringt, kann natürlich pauschal nicht gesagt werden, denn es kommen hier zahlreiche Faktoren zusammen. Zum einen spielt es eine Rolle, wo der Betreffende später arbeitet. Die Bundesländer, welche durchschnittlich die besten Gehälter zahlen, sind Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Wie einem Beitrag des Portals karrierebibel.de zu entnehmen ist, liegt dort das durchschnittliche Einstiegsgehalt zwischen 43.000 und 45.000 Euro und somit knapp 10.000 Euro höher, als in den östlichen Bundesländern. Am wenigsten verdienen Absolventen im Saarland. Doch auch die Art des Abschlusses spielt eine Rolle. So verdienen Absolventen einer Universität durchschnittlich vier Prozent mehr, als solche einer Fachhochschule und wer einen Master hat, darf mit zehn Prozent mehr Gehalt als jemand mit einem Bachelor-Abschluss rechnen. Nicht zuletzt spielt selbstverständlich auch die Branche eine zentrale Rolle. Am besten verdienen studierte Kräfte in der Chemie- und der erdölverarbeitenden Industrie sowie im Fahrzeugbau und im Bankensektor. Wirtschaftsingenieure zählen zu den Bestverdienern und dürfen sich im Durschnitt auf ein Einstiegsgehalt von 46.000 Euro brutto im Jahr freuen. Auch, wer Naturwissenschaften oder Medizin gewählt hat, wird normalerweise ordentlich verdienen. Absolventen im Bereich Geschichts- und Kulturwissenschaften verdienen am wenigsten, nämlich durchschnittlich nur 30.000 Euro brutto jährlich. Anbei eine Übersicht der best- und schlechtbezahltesten Branchen:

Studienbranchen und Gehälter

Grafik 2: Vergleich einzelner Branchen und der durchschnittlichen Gehälter.

Situation: Verdienst Männer (blau) und Frauen (rosa)

Abb.3: Wie viel weniger verdienen Frauen im Durchschnitt wirklich?

Die Kluft zwischen den Geschlechtern – wie unterscheidet sich das Gehalt von Frauen und Männern noch immer?

Nach wie vor verdienen Männer bei gleicher Qualifikation häufig mehr als Frauen. Wie einer Statistik des Statistischen Bundesamtes zu entnehmen ist, war es im Jahr 2014 ein Gehaltsunterschied von rund 22 Prozent zwischen den beiden Geschlechtern. Doch wie kommt diese Angabe zustande? Verglichen wurden die Durchschnittsgehälter aller Frauen und aller Männer in Deutschland. Diese Rechnung ist jedoch ungenau, denn sie berücksichtigt folgende Faktoren nicht, welche für einen fairen Vergleich jedoch eine wichtige Rolle spielen:

Übersicht Frauengehalt

Häufige Ursachen für den Gehaltsunterschied bei Frauen und Männern.

Werden all diese Faktoren in die Berechnungen miteinbezogen, wird vom sogenannten „bereinigten Lohnunterschied“ gesprochen. Dieser beträgt zwischen Männern und Frauen, so absolventa.de, nur rund sieben Prozent. Doch selbstverständlich sollte angestrebt werden, diese Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen zu beseitigen und die Gehälter anzugleichen. Dafür sind drei Ansatzpunkte nötig:

Lösungs Gehaltsdifferenz Geschlechter

Grafik 4: Lösungsvorschläge zur Angleichung des Gehalts von Frauen und Männern.

Weitere Angaben in Bezug auf die späteren Gehälter bestimmter Fachrichtungen je nach Geschlecht sind der PDF der DIW Berlin zu entnehmen, auf welche sich auch die nachstehende Übersicht bezieht:

Vergleich Gehalt Mann / Frau

Grafik 5 – Vergleich der durchschnittlichen Stundengehälter von Mann und Frau.

Die Angaben beziehen sich auf den erwarteten Netto-Stundenlohn von Männern und Frauen mit einem Universitätsabschluss.

Welche Ausbildungsarten gibt es? Was sind ihre Vor- und Nachteile?

Im Folgenden werden nun die vier klassischen Ausbildungsformen und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile beleuchtet.

Die klassische duale Ausbildung

Azubis im handwerk

Abb.4: Viele junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung im Handwerk.

Rund 809.648 junge Menschen absolvierten im Jahr 2014 eine klassische betriebliche Ausbildung in Deutschland in Industrie, Handel und Dienstleistungen und rund 309.395 Menschen begannen eine Berufsausbildung, so die Angaben der DIHK. Doch was sind nun die Vor- und Nachteile einer klassischen Ausbildung?

Die Vorteile einer klassischen Ausbildung:

Ein Auszubildender bekommt von Anfang an ein Gehalt. Die bestbezahltesten Ausbildungen sind unter anderem die zum Baugeräteführer, zum Fliesenleger oder zum Elektroniker. Weniger gut bezahlt, ist die Ausbildung zum Frisör oder Kosmetiker. Hier kommt es jedoch auch auf den jeweiligen Betrieb und das Bundesland an. So verdienen Auszubildende in den neuen Bundesländern meist weniger, als jene, welche eine Ausbildung in den alten Bundesländern beginnen. Gerade zum Start ins Berufsleben ist diese finanzielle Unabhängigkeit für viele junge Menschen ein wichtiger Faktor, denn mit ihr geht auch mehr Selbstständigkeit einher. Wer eine Ausbildung mit einer guten Vergütung wählt, kann sich oft schon ab dem ersten Ausbildungsjahr eine eigene Wohnung leisten oder in eine Wohngemeinschaft ziehen.

Ein weiterer Vorteil der klassischen Berufsausbildung ist, dass der Auszubildende direkt ins Berufsleben startet und vom ersten Ausbildungstag an praktische Erfahrungen sammeln kann. Die Ausbildung ist näher am realen Leben als beispielsweise ein Universitätsstudium. Die Aufgaben und Tätigkeiten sind meist definierter und eindeutiger. Zudem kann auch nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung, wenn gewünscht, ein zusätzliches Studium angestrebt werden. In bestimmten Fächern ist es sogar möglich, die Ausbildung anrechnen zu lassen, sodass bestimmte Studienleistungen dann nicht mehr erbracht werden müssen. Die Ausbildungszeit kann zudem bei der Findung des richtigen Studienganges weiterhelfen.

Der Berufseinstieg nach der Ausbildung klappt oft schneller als es bei Akademikern der Fall ist. Wer während der Ausbildung im Betrieb gute Arbeit geleistet hat, hat gute Chancen direkt im Anschluss übernommen zu werden. Selbst, wenn dem nicht so sein sollte, stehen die Chancen auf eine Arbeitsstelle nicht schlecht, denn zurzeit werden in Deutschland händeringend Fachkräfte gesucht. Azubis durchlaufen bei einer Ausbildung meist mehrere oder sogar alle Abteilungen eines Unternehmens und sammeln so einen reichen Erfahrungsschatz an. Zudem legen viele Ausbildungsberufe den Grundstein für eine mögliche spätere Selbstständigkeit. Deutsche Ausbildungsabschlüsse sind außerdem international meist hoch anerkannt, was es erleichtert, wenn gewünscht, nach der Ausbildung einen Beruf im Ausland zu ergreifen.

Die Nachteile der klassischen dualen Ausbildung:

Oft sind die Verdienstmöglichkeiten nach einer klassischen Ausbildung geringer, als sie es mit einem Hochschulabschluss wären. Die Bereiche der Ausbildung und die anschließenden Tätigkeitsfelder sind begrenzt. Wer in einem bestimmten Beruf eine Ausbildung macht, wird danach also auch in diesem Beruf arbeiten müssen. Bei einem Studium sind die Optionen breiter gefächert. Dennoch steht es Fachkräften nach der Ausbildung natürlich zu, eine Weiterbildung oder ähnliches zu absolvieren und sich auf diesem Wege beruflich umzuorientieren. Auch die Aufstiegsmöglichkeiten nach einer Ausbildung sind begrenzt. Führungspositionen werden meist ausschließlich mit Akademikern besetzt.

Das duale Studium

Wegweiser zum Dualen Studium

Abb.5: Das Duale Studium verbindet Theorie (Studium) und Praxis (Ausbildung).

Unter einem dualen Studium wird ein Hochschulstudium mit fest integrierten Praxisblöcken in einem Unternehmen bezeichnet. Der deutlich höhere Praxisbezug unterscheidet das duale Studium von den klassischen Studiengängen. Wie dem Portal wegweiser-duales-studium.de zu entnehmen ist, hat sich die Nachfrage nach dualen Studiengängen in den vergangenen Jahren stark erhöht. Während 2004 noch rund 40.000 Personen dual studierten, sind es 2014 bereits über 95.000. Auch die Zahl der Unternehmen, welche diese Ausbildungsform anbieten, steigt. Im Jahr 2004 beteiligten sich rund 18.000 Unternehmen, im Jahr 2011 waren es schon 40.000. Doch was sind die Vor- und Nachteile dieser Ausbildungsform?

Die Vorteile eines dualen Studiums

Der wohl größte Vorteil des dualen Studiums ist die Praxisnähe. Studenten können bereits während ihres Studiums praktische Berufserfahrung sammeln. So bleibt der sogenannte Praxisschock beim Übergang vom Studium in das Berufsleben aus. Auch bei Bewerbungsgesprächen ist die Berufserfahrung, welche Studienabsolventen eines dualen Studiums mitbringen, ein großer Pluspunkt, den sie herkömmlichen Akademikern voraushaben. Wer ein duales Studium absolviert, kann am Ende gleich mehrere Abschlüsse, nämlich den einer meist staatlich anerkannten Berufsausbildung und einen Hochschulabschluss, vorweisen. Auch dieser Umstand ist auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt ein großer Vorteil gegenüber den anderen Ausbildungsformen.

Das Unternehmen, welches ein duales Studium anbietet, zahlt dem Studenten ein Gehalt. Damit lassen sich die Kosten für das Studium leichter finanzieren. Je nach Hochschule oder Berufsakademie übernimmt das Unternehmen zudem die Studiengebühren und bietet den Studierenden darüber hinaus weitere Anreize. So zahlt die Firma Adler, wie sie auf ihrem Internetauftritt angibt, nicht nur ein festes Gehalt und übernimmt die Studiengebühren, sondern trägt zusätzlich auch die Kosten für benötigtes Lehrmaterial. Auch die MLP AG gibt auf ihrer Website an, neben einer Vergütung bei einem dualen Studium zahlreiche Nebenleistungen zu bieten. Eine Liste aller Unternehmen, welche ein duales Studium anbieten, findet sich unter duales-studium.de.

Rund 80 Prozent der Studenten werden nach Abschluss ihres dualen Studiums direkt vom Unternehmen in Festanstellung übernommen. Kein Wunder, schließlich zahlt das Unternehmen in vielen Fällen die Studiengebühren und das über Jahre. Das Interesse, die eigens ausgebildeten qualifizierten Nachwuchskräfte für die eigenen Reihen auszuwählen und dauerhaft an sich zu binden, ist natürlich entsprechend hoch. Somit müssen sich die meisten Absolventen eines dualen Studiums nach ihrem Abschluss nicht aktiv auf Jobsuche begeben.

Die Bedingungen, zu welchen Studenten an den Institutionen, welche ein duales Studium anbieten, studieren, sind in der Regel sehr gut. Meist setzen sich die Studiengruppen aus zehn bis 40 Personen zusammen. Wer schon mal ein Seminar oder eine Vorlesung in einem beliebten klassischen Studiengang besucht hat, weiß, dass diese fast immer vollkommen überfüllt sind. Des Weiteren sind die Fachhochschulen, die dualen Hochschulen oder die Berufsakademien meist auch besser ausgestattet als Universitäten.

Die Nachteile eines dualen Studiums

Ein duales Studium hat einen hohen Praxisbezug und bereitet somit nur wenig auf eine wissenschaftliche Laufbahn vor. Wer diese anstrebt, sollte sich also eher für das klassische Studium an einer Universität entscheiden. Auf das Themenfeld Forschung wird meist nur in Randbereichen eingegangen. Wer also später gern als Dozent selbst an einer Hochschule unterrichten will, wird es mit einem dualen Studienabschluss schwer haben. Auch all jene, die gerne promovieren würden, werden Probleme haben, einen Doktorvater zu finden.

Die hohe Arbeitsbelastung, welche ein duales Studium mit sich bringt, darf ebenfalls nicht unterschätzt werden. Zwar sind die Leistungsanforderungen auch durch den Übergang der Diplom- und Magisterstudiengänge hin zum Bachelor- und Mastersystem gestiegen, die Verknüpfung von Studium und praktischer Berufserfahrung ist dennoch sehr arbeitsintensiv. Es findet ein ständiger Wechsel zwischen Praxisphasen im Unternehmen und Vorlesungszeiten beim Bildungsinstitut statt. Am Ende der Vorlesungszeit stehen meist Klausuren, auf welche sich intensiv vorbereitet werden muss. Zudem haben dual Studierende keine Semesterferien, welche sie zum Lernen, ausspannen oder Reisen nutzen könnten. Nur die Urlaubstage des Betriebs, also im Schnitt 24 bis 30 Tage pro Jahr, sehen den Studierenden zu.

Wer während des dualen Studiums feststellt, dass der eigeschlagene Weg doch nicht der Richtige ist und die Ausbildung entsprechend abbricht, muss damit rechnen, dass das Unternehmen die bis dahin geleisteten Studiengebühren zurückverlangt. Wer dies nicht möchte oder kann, muss sich zwingen, das duale Studium zu Ende zu führen.

Im klassischen Studium können die Studenten während der Semesterferien mithilfe von Praktika in verschiedene Unternehmen und Arbeitsbereiche hineinschnuppern und so ihren Studienschwerpunkt selbst wählen. Wer sich für ein duales Studium entscheidet, muss sich von Anfang an auf ein bestimmtes Unternehmen und Tätigkeitsfeld festlegen, ist also kaum flexibel.

Das Trainee-Programm – Die Ausbildung nach dem Studium

Junge Trainees im Unternehmen

Trainees durchlaufen ganz unterschiedliche Abteilungen innerhalb eines Unternehmens.

Ein Trainee ist ein Hochschulabsolvent, der von einem Unternehmen als vielfältig einsetzbare Nachwuchskraft aufgebaut wird. Bei einem Trainee-Programm durchlaufen die Trainees verschiedene Abteilungen innerhalb eines Unternehmens, teilweise auch an unterschiedlichen Standorten und lernen so die verschiedenen Bereiche und Tätigkeitsfelder näher kennen.

Die Vorteile des Trainee-Programms

Durch den häufigen Arbeitsplatzwechsel wird es Trainees ermöglicht, ein unternehmensweites Netzwerk aufzubauen. Das Traineeprogramm ist somit auch immer abwechslungsreich und der Trainee lernt, sich ständig auf neue Situationen, Menschen und Aufgaben einzustellen. So können Unternehmen und Trainee gleichermaßen testen, welche Aufgabenbereiche den eigenen Fähigkeiten besonders entsprechen und welche nicht. Die Weiterqualifikation des Trainees ist somit zielgerichtet und auf den zukünftigen Einsatz im Unternehmen abgestimmt. Im Gegensatz zu einem Direkteinstieg nach dem Studium ist der Verantwortungsdruck für Trainees deutlich niedriger. Zudem finden meist zahlreiche fachliche und persönliche Weiterbildungsangebote statt. Durch die Teilnahmen an einem Trainee-Programm steigen die Chancen, später eine Festanstellung bei dem gewählten Unternehmen zu bekommen, deutlich. Zudem bietet das Programm eine gute Grundlage für eine unternehmensinterne Karriere.

Die Nachteile des Traineeprogramms

Die Vergütung für Trainees ist von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich. Im Schnitt verdient ein Trainee jedoch rund zehn Prozent weniger Gehalt, als es bei einem Direkteinstieg nach dem Studium der Fäll wäre. Wer bei dem Unternehmen, bei welchem er das Trainee-Programm absolviert hat, bleiben möchte, muss sehr flexibel sein, wenn es um den späteren Beschäftigungsbereich und auch den Beschäftigungsort geht. Um an einem Trainee-Programm teilnehmen zu können, ist ein erfolgreicher Studienabschluss nötig. Es kann also nicht direkt nach dem Abitur mit einer Trainee-Stelle begonnen werden.

Das Bachelor- und Master-Studium in Vollzeit

Studenten in einem Hörsaal.

Abb.7: Immer mehr junge Menschen streben ein Hochschulstudium an.

Neben der klassischen Ausbildung, ist das Vollzeitstudium diejenige Ausbildungsform, für die sich die meisten jungen Menschen nach dem Schulabschluss entscheiden. Im Wintersemester 2013/2014 studierten 1,5 Millionen Deutsche im Bachelor- und 385.000 im Masterstudiengang, so die Angaben der Hochschulrektorenkonferenz.

Die Vorteile des Vollzeit-Studiums

Das Vollzeit-Studium bietet den Studierenden die Möglichkeit, sich für eine wissenschaftliche Karriere zu entscheiden. Wer einen Doktortitel erwerben will, hat mit einem Universitätsabschluss gute Chancen, einen Doktorvater zu finden. Das Risiko langanhaltender Arbeitslosigkeit ist bei Akademikern besonders gering. Die Arbeitslosenquote unter den Akademikern lag im Jahr 2015 gerade einmal bei 2,5 Prozent. Wer einen Hochschulabschluss besitzt, hat innerhalb eines Unternehmens bessere Aufstiegschancen. Führungspositionen werden meist ausschließlich von Akademikern bekleidet. Zudem vermittelt ein Hochschulabschluss die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen, welche für viele Arbeitgeber immer wichtiger wird.

Das Einstiegsgehalt ist mit einem Hochschulabschluss deutlich höher und auch größere Gehaltssteigerungen nach einer gewissen Zeit im Unternehmen sind möglich. Zwar können sich Studenten ihre Zeit heute nicht mehr so frei einteilen, wie es vor den Bachelor- und Masterstudiengängen der Fall war, dennoch sind sie im Gegensatz zu Personen, die eine andere Ausbildungsform gewählt haben, sehr flexibel. So können Studenten die Semesterferien beispielsweise für Praktika, Auslandsaufenthalte oder ähnliches nutzen. Vor allem Praktika bieten die Option, in verschiedene Bereiche Einblick zu erhalten und den eigenen Studienschwerpunkt entsprechend zu wählen.

Die Nachteile eine Vollzeit-Studiums

Ein Studium ist teuer. Wer nicht von seinen Eltern unterstützt wird, muss einen BAföG-Kredit aufnehmen und/oder nebenbei selbst für seine Lebenshaltungskosten sorgen, etwa mithilfe eines Studentenjobs. Die während des Studiums angehäuften Schulden müssen nach dem Abschluss zurückgezahlt werden. Der Praxisbezug ist bei einem Vollzeit-Studium meist sehr gering. Die Studierenden werden theoretisch, aber nicht praktisch auf das Berufsleben vorbereitet. Oft kommt es nach dem Hochschulabschluss und beim Eintritt ins Berufsleben zu einem sogenannten „Praxisschock“.

Nach der Schulzeit eine Ausbildung oder ein Studium beginnen – 30 hilfreiche Fragen für Abiturienten

Entscheidung für Werdegang

Abb.8: Die Karriereplanung will wohlüberlegt sein. Ausbildung, Studium oder beides?

Die Entscheidung, wie es nach der Schule weitergehen soll, fällt vielen Abiturienten nicht leicht. Kein Wunder, konnte doch im bisherigen Textverlauf aufgezeigt werden, dass die einzelnen Ausbildungsformen jeweils ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile mit sich bringen. Die folgenden 30 Fragen dienen der Orientierung und sollen vor allem für all jene Abiturienten eine Hilfe sein, die sich noch nicht für eine bestimmte Ausbildungsform entschieden haben:

  • Wie sieht der zukünftige Traumberuf ungefähr aus?
  • Welche Ausbildungsform entspricht am ehesten der Richtung, in welche der Berufswunsch geht?
  • Sind die eigenen Noten gut genug für die eine oder andere Ausbildungsform oder schränken sie die Auswahl bereits ein?
  • Was waren die liebsten Fächer beziehungsweise die präferierten Inhalte in der Schulzeit?
  • Was sind die eignen Stärken (muss nicht fachbezogen sein)?
  • Welche Stärken würde das eigene Umfeld benennen? Was sind die eigenen Leidenschaften und Interessen (unabhängig von Schule und späterem Berufswunsch)?
  • Welche der zur Auswahl stehenden Ausbildungen oder Studiengänge fühlen sich falsch an und warum?
  • Ist das eigene Selbst eher praktisch oder theoretisch veranlagt?
  • Ist das Wohlbefinden innerhalb klarer Strukturen ein besseres oder werden vor allem Freiraum und Entfaltungsmöglichkeiten geschätzt?
  • Ist es wichtig, nach getaner Arbeit ein konkretes und fassbares Ergebnis vorliegen zu haben oder reichen auch theoretische und intellektuelle Gedankenspiele?
  • Wie wichtig ist die Dauer des Bildungsweges?
  • Sind alle Ausbildungsformen finanzierbar?
  • Besteht die Bereitschaft umzuziehen?
  • Falls nicht, welche Optionen gibt es in der näheren Umgebung?
  • Gibt es Unterstützung von Seiten der Familie und Freunde?
  • Gibt es bereits Vorkenntnisse oder Erfahrungen, die bei der gewählten Ausbildungsform von Vorteil sein könnten, beziehungsweise womöglich sogar eine Verkürzung der Ausbildungsdauer mit sich brächten?
  • Für welche Ausbildungsform entscheiden sich die Freunde und warum?
  • Wenn schon eine bestimmte Ausbildungsform favorisiert wird: Werden die Voraussetzungen und Anforderungen überhaupt erfüllt?
  • Bestehen womöglich Kontakte zu Auszubildenden oder Studenten in den präferierten Fachrichtungen?
  • Welche Fördermöglichkeiten gibt es und können diese auch in Anspruch genommen werden?
  • Befinden sich die möglichen Ausbildungsbetriebe, beziehungsweise Unternehmen oder Hochschulen in Städten, die als Wohnort infrage kommen würden?
  • Bestehen in bestimmten Städten bereits Kontakte zu Freunden oder Bekannten?
  • Wie sieht der Wohnungsmarkt aus?
  • Wäre eine eigene Wohnung finanzierbar oder wären eine Wohngemeinschaft beziehungsweise das weitere Wohnen bei den Eltern Alternativen?
  • Gibt es Tage der offenen Tür oder Ähnliches, welche bei der Entscheidung für eine bestimmte Hochschule, Ausbildungsstätte oder ein Unternehmen helfen könnten?
  • Ist eine positive Entwicklung vor allem beim Kontakt mit Kollegen und praktischen Erfahrungen gegeben oder wird der Umgang mit Dozenten und Kommilitonen bevorzugt?
  • Welcher Bildungsweg eröffnet, aus der aktuellen Sicht heraus, die besten Berufschancen?
  • Welcher Bildungsweg würde wohl am wahrscheinlichsten glücklich machen?
  • Welche Probleme lassen sich bereits jetzt für bestimmte Ausbildungsformen ausmachen?
  • Was empfiehlt der Lieblings-Lehrer, die Lieblings-Lehrerin?

Fazit – Was lohnt sich mehr? Ausbildung oder Studium nach dem Abitur?

Wie aufgezeigt werden konnte, bieten die einzelnen Ausbildungsformen jeweils ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile. Ob nun ein Vollzeit-Studium, eine Ausbildung, ein duales Studium oder ein Trainee-Programm die richtige Wahl ist, kann nicht pauschal gesagt werden. Wichtig ist, dass sich der Einzelne genau über die von ihm bevorzugte Ausbildungsform informiert, die jeweiligen Vor- und Nachteile abwägt und dann entscheidet, ob sie für seine individuellen Bedürfnisse infrage kommt.

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