Angehender Fußball-Profi und trotzdem Berufsausbildung

Viele Jungs träumen davon: bei einem großen Fußballverein spielen und im Rampenlicht stehen. Aber nur den Wenigsten wird die große Karriere gelingen. azubister hat sich mit einem angehenden Profi-Fußballer getroffen, der neben seiner sportlichen Ausbildung noch eine Berufsausbildung absolviert. Kevin Holzweiler von Borussia Mönchengladbach, U19-Spieler, hat hierbei wohl den längsten Tag all seiner Teamkameraden. Er absolviert neben dem Fußballspielen noch eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Fanshop der Borussia.

Ein zweites Standbein – “Falls es nicht klappt mit dem Profi-werden”

Kevin Holzweiler im Fanshop

Im Fanshop von Borussia Mönchengladbach absolviert Kevin seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann

Der 17-Jährige hatte sogar schon einige Einsätze bei der Nationalmannschaft von der U15 bis zur U18 und gilt als einer der talentiertesten Nachwuchsspieler in Deutschland. “Trotzdem wollte ich nach meinem Hauptschulabschluss ein zweites Standbein haben, falls eine Verletzung dazwischen kommt”, meint Kevin im Gespräch. Nur die wenigsten Nachwuchsspieler schaffen es später einmal einen Profi-Vertrag zu ergattern und auch wenn die Aussichten noch so rosig sind, kann eine Verletzung den Traum sehr schnell beenden. Eine kluge und reife Entscheidung. Die Ausbildung selbst wurde Kevin von Vereinsseite angeboten, nachdem er sich nach Möglichkeiten einer Absicherung seiner Zukunft erkundigt hatte. Zur Auswahl standen hierbei die Ausbildungsberufe Einzelhandelskaufmann im Fanshop oder Sport- und Fitnesskaufmann. “Ich habe aber den direkten Kundenkontakt gesucht”, sagt Kevin, weshalb er sich schließlich für den Einzelhandelskaufmann entschied. Zur Zeit absolviert er sein zweites Ausbildungsjahr, wobei sein Arbeitstag fast täglich in die Verlängerung geht: “Morgens gegen halb 10 komme ich zum Fanshop. Wir öffnen um 10 und ich arbeite bis 17.30 Uhr. Danach geht es schnell hinüber in die Umkleidekabine und ab 18 Uhr beginnt das Training. Meistens bin ich dann erst gegen 21 Uhr zu Hause.” Dazu kommen noch das Training am Samstag, “außer der Trainer gibt uns frei” meint Kevin lächelnd, und in der Regel am Sonntag das Bundesligaspiel der U19.

Die Tätigkeiten im Fanshop, sind die eines klassischen Einzelhändlers: Wareneingang, Waren sortieren und einräumen sowie Kassieren. Der Umgang mit dem Fußballtrikot gehört aber auch hier zum Alltag – der Einsatz an der Beflockungsmaschine ist täglich Brot. Dass die Arbeit in einem Fußballverein etwas anders ist, zeigt sich auch hier, so “musste ich schon einmal für die Profis zusammen mit meinem Chef eine Autogrammstunde organisieren und aufbauen”, erzählt uns Kevin.

Ausnahmen erleichtern den Spagat zwischen Fußball und Ausbildung

Ob ihm die Ausbildung Spaß macht, haben wir ihn gefragt: “Die Ausbildung macht mir viel Spaß. Ich mag den Umgang mit den Kunden und wir haben ein klasse Team im Fanshop”. Kevin erzählt uns, dass er durchaus von seiner Arbeit im Fanshop auch auf dem Fußballplatz profitieren kann, denn Werte wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt und Freundlichkeit sind nicht nur als Auszubildender von Bedeutung sondern auch beim Kicken wichtig: “Disziplin ist sehr wichtig im Fußball”. Kevins Ausbildungsvertrag ist so geregelt, dass es für seine fußballerische Tätigkeit Ausnahmeregelungen gibt. Bei wichtigen Spielen wird er von der Berufsschule und seinem Betrieb freigestellt. Und natürlich unterstützt Kevin die Profis auch live im Stadion – muss er Samstags arbeiten, gehts bei Heimspielen ab in den Borussiapark. Trotz der Berufsausbildung ist sein Ziel sobald wie möglich einen Profivertrag zu ergattern. Dass Kevin hier auf dem besten Wege ist, zeigt, dass er schon zweimal bei der Profimannschaft mittrainieren durfte.

Wir wünschen Kevin auf seinem Weg alles Gute und danken ihm sowie dem Verein Borussia Mönchengladbach für das freundliche Gespräch.